»Irgendwo im Südwesten Frankreichs, am Fluß Dordogne.« »Dordogne? Wie schreibt man das?« fragte Wauneka.

DORDOGNE

Der Ruhm der Vergangenheit ist eine Illusion. Ebenso der Ruhm der Gegenwart.

EDWARD JOHNSTON


Der Hubschrauber donnerte durch den dicken grauen Nebel. Diane Kramer, die hinten saß, rutschte unbehaglich auf ihrem Sitz hin und her. Immer wenn der Nebel sich etwas lichtete, sah sie die Baumwipfel des Waldes sehr dicht unter sich. »Müssen wir so tief fliegen?« fragte sie. Andre Marek, der vorne neben dem Piloten saß, lachte. »Machen Sie sich keine Sorgen, es ist völlig sicher.« Allerdings sah Marek nicht so aus, als würde er sich wegen irgendwas Sorgen machen. Er war neunundzwanzig Jahre alt, groß und sehr kräftig, unter seinem T-Shirt zeichneten sich die Muskelstränge ab. Man würde auf jeden Fall nie auf den Gedanken kommen, daß er Dozent für Geschichte in Yale war. Oder der stellvertretende Leiter des Dordogne-Projekts, zu dem sie nun flogen.

»Der Nebel wird sich gleich lichten«, sagte Marek mit einem Anflug seines niederländischen Akzents. Kramer wußte alles über ihn: Nach seinem Studium in Utrecht hatte er sich zu einem jener neuen »experimentellen« Historiker entwickelt, die es sich zum Ziel machten, Teile der Vergangenheit wiederzuerschaffen, sie direkt zu erleben, um sie besser zu verstehen. Marek war ein Fanatiker auf diesem Gebiet; er hatte sich alles über mittelalterliche Kleidung, Sprache und Gewohnheiten beigebracht; angeblich konnte er mit Schwert und Lanze kämpfen. Und wenn sie ihn so ansah, glaubte sie es sogar. Sie sagte: »Es überrascht mich, daß Professor Johnston nicht mit uns gekommen ist.« Kramer hatte eigentlich erwartet, daß Johnston sie persönlich empfangen würde. Sie war schließlich eine Topmanagerin der Firma, die diese Forschung finanzierte. Und das Protokoll verlangte es, daß Johnston selbst ihr das Projekt zeigte. Außerdem hatte sie vorgehabt, ihn bereits im Hubschrauber zu bearbeiten. »Leider hatte Professor Johnston bereits eine Verabredung.« »Ach so?«



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