
Er nahm seinen Quast wieder in die Hand und machte sich gelassen an die Arbeit. Bald tauchte auch Ben Rogers auf - ausgerechnet der Junge, dessen Spott er am meisten gefürchtet hatte. Ben ging nicht, er hüpfte und sprang ausgelassen - Beweis genug dafür, dass er gute Laune hatte und seine Erwartungen hoch waren. Er aß einen Apfel, und zwischen den einzelnen Bissen stieß er lange, melodische Pfiffe aus, denen ein tiefes Dingdong, Dingdong, Dingdong folgte: Er spielte Dampfer.
Als er näher kam, setzte er die Geschwindigkeit herab, steuerte in die Mitte der Straße, lehnte weit über nach Steuerbord, und dann - er war ganz bei der Sache und gab sich alle Mühe - drehte er bei, denn er stellte den großen Dampfer „Big Missouri" vor. Er war Schiff, Kapitän, Maschine, alles zugleich und so bildete er sich ein, er stehe auf seinem eigenen Sturmdeck. Er gab die Befehle und führte sie selbst aus.
„Stopp! Klingelingling!"
Der Hauptweg war fast zu Ende, deshalb wandte er sich jetzt langsam dem Seitenweg zu. „Jetzt achteraus! Klingelingling!" Er legte seine Arme steif an die Seiten.
„Steuerbord achteraus! Klingelingling!"
Währenddessen beschrieb seine rechte Hand gewaltige Kreise - sie musste ein vierzig Fuß hohes Rad vorstellen. „Backbord stopp! Klingelingling! Backbord stopp! Halt!"
Tom beachtete den Dampfer nicht und tünchte ruhig weiter.
Einen Augenblick war Ben erstaunt, dann sagte er: „Hihi! Hamse dich reingelegt?"
Keine Antwort. Tom betrachtete seinen letzten Quaststrich mit dem Auge eines Künstlers. Dann strich er noch einmal zart mit dem Pinsel darüber und musterte das Ergebnis kritisch. Ben kam näher. Tom lief bei dem Duft des Apfels das Wasser im Munde zusammen, er ließ sich aber nichts anmerken und hielt sich an die Arbeit.
Ben sagte: „Hallo, alter Junge, hast zu arbeiten, was?"
