
Klar und frisch kam der Samstagmorgen; die ganze Sommerwelt war erfüllt von Leben. Heute hatte ein jeder ein Lied im Herzen und wem das Herz jung war, dem drängte sich eine Melodie auf die Lippen. Die Menschen schritten beschwingt und leicht dahin, und ihre Gesichter waren fröhlich. Die Akazienbäume standen in voller Blüte und erfüllten die Luft mit Wohlgeruch.
Tom erschien mit einem Eimer voll weißer Farbe und einem langstieligen Pinsel. Er musterte den Zaun und da verließ ihn aller Frohsinn und machte einer tiefen Traurigkeit Platz. Zehn Meter lang und über zwei Meter hoch war der Zaun! Es war zum Verzweifeln -das Leben war nur noch eine Plage! Seufzend tauchte er den Quast in die Farbe und strich damit über die oberste Planke. Er wiederholte diese Übung zweimal, verglich den getünchten Streifen mit der unübersehbaren Fläche des ungetünchten Zaunes und setzte sich dann entmutigt auf einen Baumstumpf.
Ausgelassen hüpfend, kam jetzt Jim mit einem Blecheimer aus dem Tor und sang den neuesten Schlager „Buffalo-Mädchen" Tom hatte sich immer davor gedrückt, Wasser aus dem Stadtbrunnen zu holen, aber heute beneidete er Jim um diese Arbeit. Er erinnerte sich, dass es am Brunnen lustig war. Weiße Kinder, Mulatten- und Negerkinder trafen sich dort beim Wasserholen, tauschten Spielsachen und stritten und balgten sich. Tom wusste auch, dass Jim immer eine volle Stunde brauchte, um einen Eimer Wasser zu holen, obwohl doch der Brunnen nur 150 Meter weit entfernt war - und selbst dann musste immer noch jemand gehen, ihn zu suchen.
Tom sagte: „Du, Jim, wenn du ein bisschen weitertünchst, will ich das Wasser für dich holen."
Jim schüttelte den Kopf und sagte: „Kann nicht, Master Tom. Alte Missis hat mir gesagt, ich soll nur Wasser holen gehen und nicht mit Master Tom sprechen. Sie sagen, sie wissen, dass Master Tom keine Lust hat zum Tünchen, aber ich sollen Wasser holen gehen."
