
Aus den unteren Fenstern konnte ich Felsboden mit gelegentlichen Schlammlöchern und eine grünweiße, ebenmäßig leuchtende Decke darüber sehen — offenbar das Material von der anderen Seite beleuchtet. Es war also durchscheinend. Doch der um die untere Tankhälfte gespannte Teil stellte für das Sichtvermögen überhaupt keine Schranke dar. Ein paar Füßchen waren eben auf dieser Seite ausgefahren, und das Zeug umspannte sie als unsichtbare dünne Schicht — durchlöchert hatten sie das Material also nicht, oder ich hätte nicht hier auf dem Dach gehangen. Da hatte jemand bei der Molekular-Architektur seine Phantasie ordentlich spielen lassen — was beweist, wie man von einer Reihe grundfalscher Prämissen manchmal zu einem richtigen Schluß gelangen kann.
Aber warum überhaupt ein Zelt? Der Meeresuntergrund darunter unterschied sich von dem an anderen Stellen nicht. In dem darunterliegenden Bereich konnte ich weder Menschen noch ein künstliches Bauwerk entdecken. Nicht einmal Lebewesen anderer Art waren zu sehen, und ich gab mir alle Mühe beim Beobachten — einen Augenblick lang blitzte in mir gar der Gedanke auf, jemand könnte bei der Energieverschwendung so weit gegangen sein, natürliche Na hrungsmittel bei künstlichem Licht wachsen zu lassen. Diese Vorstellung wenigstens paßte zu der Gleichgültigkeit der allgemeinen Moral, was die Energie betraf. Menschen, die diese vielen Kilowatt in den Ozean hinein verpulverten, würden auch nicht davor zurückschrecken, ihren gerechten Anteil zu überschreiten, indem sie Senf oder dergleichen anpflanzten. Der Meeresboden war der einzige Ort auf der Welt, wo ein solcher Trick abgezogen werden konnte, ohne daß man auf der Stelle von aufgebrachten Nachbarn erwischt wurde, von der Aufsichtsbehörde mal ganz abgesehen.
Das einzig Ärgerliche an der Theorie — abgesehen von dem natürlichen Widerstreben, an solche Me nschen zu glauben —, war die Tatsache, daß ich nichts wachsen sah. Was dies anlangte, so wüßte ich gar nicht, welche eßbare Pflanze unter dem Meeresspiegel gezogen werden konnte. Zweifellos gab es solche. Und wenn es keine natürlichen gab, dann konnte man immer noch auf die Maßschneiderei von Genen zurückgreifen.
