Es gab genug Leute, die wegen Erbstreitigkeiten oder peinlichen Benehmens ein Familienmitglied loswerden und ein Vermögen für ein ärztliches Attest ausgeben wollten, das ihnen erlaubte, ihre Problemkinder oder -eltern einzuweisen.


Andere wiederum ließen sich für beschränkte Zeit selbst in die Anstalt einweisen, um Gläubigern zu entgehen oder bei schweren Straftaten Zweifel an ihrer Zurechnungsfähigkeit zu erwecken, und kamen so ungeschoren davon. Villete, der Ort, von wo noch nie jemand ausgebrochen war.

Wo die wirklich Verrückten — die vom Richter oder von anderen Spitälern eingewiesen worden waren — mit den anderen, deren Geisteskrankheit nicht nachgewiesen oder nur vorgetäuscht war, zusammenlebten. Das Ergebnis war ein wahres Durcheinander, und die Presse publizierte ständig Geschichten über Mißhandlungen und Mißbrauch, obwohl keiner je vor Ort hatte ermitteln dürfen. Die Regierung ging zwar den Klagen nach, konnte jedoch nichts beweisen; die Aktionäre konterten mit der Drohung, überall herumzuerzählen, welche Schwierigkeiten ausländische Investoren in Slowenien zu gewärtigen hatten. Und so bestand Villete fort und brachte es sogar zu einiger Blüte.

»Meine Tante hat vor ein paar Monaten Selbstmord begangen

«, fuhr die Frauenstimme fort. »Acht Jahre lang hatte sie sich nicht aus ihrem Zimmer getraut, hat nur gegessen, zugenommen, geraucht, Beruhigungsmittel genommen und fast die ganze Zeit geschlafen. Sie hatte zwei Töchter und einen Mann, der sie liebte.« Veronika versuchte ihren Kopf in die Richtung der Stimme zu wenden, was ihr aber nicht gelang.

»Nur einmal hat sie reagiert. Das war, als ihr Mann sich eine Geliebte anschaffte. Da hat sie einen Aufstand gemacht, ein paar Kilos abgenommen, Gläser zerschmissen und wochenlang den Nachbarn mit ihrem Geschrei den Schlaf geraubt.



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