
Die Schläuche waren herausgenommen worden. Doch sie hatte noch immer Kanülen überall im Körper, Elektroden an Herz und Kopf, und ihre Arme waren festgebunden. Unter dem Laken war sie völlig nackt. Sie fror. Doch sie wollte sich nicht beklagen. Der Bereich, in dem ihr Bett und die Geräte für die medizinische Intensivbehandlung standen, war von grünen Vorhängen umgeben. Und neben ihrem Bett saß eine Krankenschwester auf einem weißen Stuhl und las in einem Buch.
Die Frau hatte dunkle Augen und braunes Haar. Dennoch war Veronika sich nicht ganz sicher, ob es dieselbe Person war, mit der sie vor ein paar Stunden — Tagen? — gesprochen hatte.
»Könnten Sie meine Arme losbinden?«
Die Krankenschwester hob den Blick, antwortete mit einem trockenen »nein« und vertiefte sich wieder in ihr Buch.
Ich lebe, dachte Veronika. Nun fängt alles wieder von vorn an. Eine Zeitlang behalten sie mich noch hier, bis sie feststellen, daß ich vollkommen normal bin. Dann entlassen sie mich, und ich werde die Straßen von Ljubljana wiedersehen, den runden Hauptplatz, die Brücken, die Leute auf dem Weg zu oder von der Arbeit.
Da die Menschen dazu neigen, anderen zu helfen — nur damit sie sich besser fühlen, als sie tatsächlich sind -, werden sie mir meine Stelle in der Bibliothek wiedergeben. Mit der Zeit werde ich dieselben Bars und Nachtclubs wie früher besuchen, mit meinen Freunden über Ungerechtigkeit und Probleme der Welt reden, ins Kino gehen, Spaziergänge um den See machen.
Da ich Tabletten genommen habe, bin ich nicht entstellt: Ich bin weiterhin jung, hübsch, intelligent, und ich werde weiterhin keine Schwierigkeiten haben, Männer kennenzulernen.
Ich werde mit ihnen schlafen, entweder in ihren Wohnungen oder im Wald, es bis zu einem gewissen Grad genießen, doch gleich nach dem Orgasmus wird die Leere wieder da sein. Wir werden uns nicht viel zu sagen haben und es beide wissen. Irgendwann kommt dann der Moment der ersten Ausflüchte im Stil von >Es ist schon spät< oder
