
Veronika hatte beschlossen, an diesem schönen Nachmittag in Ljubljana zu sterben, während bolivianische Musiker auf dem Platz spielten, ein junger Mann unter ihrem Fenster vorbeiging, und sie war glücklich über das, was ihre Augen sahen und ihre Ohren hörten. Noch glücklicher war sie, daß sie dies alles nicht noch weitere dreißig, vierzig oder fünfzig Jahre sehen mußte, denn es würde sich abnutzen und zur Tragödie eines Lebens werden, in dem alles sich wiederholt und ein Tag dem anderen gleicht.
Ihr Magen begann nun zu rumoren, und sie fühlte sich elend. >Merkwürdig, ich dachte immer, eine Überdosis Beruhigungsmittel würde mich sofort einschlafen lassen.< Doch statt dessen fühlte sie Ohrensausen und Brechreiz.
>Wenn ich mich übergebe, sterbe ich nicht.< Sie beschloß, die Krämpfe zu ignorieren, und konzentrierte sich lieber auf die schnell hereinbrechende Dunkelheit, auf die Bolivianer, auf die Ladenbesitzer, die einer nach dem ändern ihre Geschäfte schlössen und nach Hause gingen. Das Brausen in ihren Ohren wurde immer schriller, und zum ersten Mal, seit sie die Tabletten genommen hatte, verspürte Veronika Angst, schreckliche Angst vor dem Unbekannten.
Doch es dauerte nicht lange, und sie verlor das Bewußtsein.
Als sie die Augen öffnete, dachte Veronika nicht >Das muß der Himmel sein<. Im Himmel gab's keine Neonröhren, und der Schmerz, der unmittelbar darauf einsetzte, war etwas typisch Irdisches, ein einzigartiger, typisch irdischer Schmerz. Sie wollte sich bewegen, aber das tat weh. Leuchtende Sterne tanzten vor ihren Augen, und Veronika begriff, daß diese Sterne nicht zum Paradies gehörten, sondern von ihren ungeheuren Schmerzen herrührten.
»Sie kommt zu sich«, hörte sie eine Frauenstimme sagen.
