
Gerücht hin oder her, Dego wußte, daß Fidelma mit einem Pilgerschiff in Ardmore gelandet und eilig nach Cashel geritten war, kaum eine Stunde mit ihrem Bruder verbracht hatte und dann nach Fearna, der Hauptstadt von Laigin, aufgebrochen war, wo Eadulf gefangengehalten wurde. Dego und seine Kameraden hatten sogar Mühe, mit der finster entschlossenen Fidelma mitzuhalten, die anscheinend besser reiten konnte als sie alle.
Unsicher schaute Dego sie an. In ihren blaugrünen Augen funkelte etwas, was jedem nichts Gutes verhieß, der ihren Willen durchkreuzen wollte. Er war sicher, daß sein Rat den besten Weg wies, aber er wollte Fidelma auch verständlich machen, weshalb er ihn gab. Er wußte nur zu gut, daß es ihr darauf ankam, die Hauptstadt von Laigin so schnell wie möglich zu erreichen.
»Es herrscht Feindschaft zwischen Cashel und Fearna, Lady«, gab er zu bedenken. »An der Grenze von Osraige wird noch gekämpft. Sollten wir auf umherstreifende Kriegertrupps aus Laigin stoßen, könnte es passieren, daß sie die Unverletzlichkeit deines Amtes nicht respektieren.«
Fidelmas ernste Miene lockerte sich einen Moment.
»Ich kenne die Lage, Dego. Dein Rat ist klug.«
Mehr sagte sie nicht. Dego öffnete den Mund, doch ein Blick in ihr Gesicht belehrte ihn, daß jedes weitere Wort überflüssig war und sie verärgern könnte.
Schließlich wußte niemand besser als Fidelma, wie es sich mit dem Streit zwischen Cashel und Fearna verhielt. Sie war schon einmal mit dem leicht erregbaren jungen König Fianamail von Laigin aneinandergeraten. Fianamail war sicherlich kein Freund von Cashel, und jetzt hegte er noch einen besonderen Groll gegen Fidelma.
Deshalb bewunderte Dego den Mut seiner Herrin, weil sie sofort ihrem angelsächsischen Freund zu Hilfe eilte und geradewegs ins Land ihres Feindes ritt. Nur die Tatsache, daß sie eine dalaigh bei Gericht war, erlaubte es ihr, sich so frei und ungehindert zu bewegen.
