Niemand in den fünf Königreichen würde es wagen, Hand an sie zu legen, denn darauf stand eine furchtbare Strafe: Verlust des Sühnepreises, unwiderrufliche Ausstoßung aus der Gesellschaft und Verlust allen Rechtsschutzes. Kein gesetzestreuer Mensch würde sich wissentlich an einer dalaigh bei Gericht vergreifen, noch dazu an einer wie Fidelma, die vom Großkönig Sechnassach selbst geehrt worden war. Die Würde einer dalaigh bei Gericht gewährte größeren Schutz als ihr Stand als Schwester des Königs von Muman oder gar der als Nonne im Dienste Christi.

Aber es waren nicht die gesetzestreuen Leute, die Dego Sorgen bereiteten. Er wußte, daß König Fiana-mail und seine Berater verschlagen und hinterhältig sein konnten. Es wäre so leicht, Fidelma töten zu lassen und dann zu schwören, daß herumziehende Geächtete die Tat begangen hätten.

Deshalb hatte Colgü seine drei besten Krieger ausgesucht und sie gebeten, seine Schwester nach Laigin zu begleiten. Er erteilte ihnen nicht den Befehl dazu, denn sie wären in ebenso großer Gefahr wie sie, wenngleich er jedem von ihnen einen Amtsstab mitgab zum Zeichen, daß sie als seine Abgesandten den Schutz des Botschaftsrechts genossen. Ihnen einen größeren rechtlichen Schutz zu geben stand nicht in seiner Macht.

Dego und seine Kameraden Enda und Aidan ritten hinter ihr und hielten die Augen ständig offen, um jede Gefahr zu bemerken. Sie hatten ihren Auftrag ohne Zögern angenommen, trotz ihrer Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit des Königs von Laigin. Wohin Fidelma auch ging, sie würden ihr bereitwillig folgen, denn die Leute von Cashel hegten eine besondere Zuneigung zu der hochgewachsenen, rothaarigen jüngeren Schwester ihres Königs.

»Das Gasthaus ist da vorne«, rief Enda von hinten.

Dego kniff die Augen zusammen, um in der Dunkelheit besser zu sehen.

Da erkannte er die an einem Pfahl hängende Laterne, die traditionelle Art, in der die Gastwirte den Ort ihrer Häuser anzeigten und den müden Reisenden buchstäblich den Weg erleuchteten. Dego hielt vor einer Gruppe von Gebäuden an. Ein paar Stallburschen kamen aus den Schatten herbei und hielten die Zügel, während die Reiter ihre Satteltaschen abschnallten und auf die Tür zuschritten.



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