
Sie schöpfte Atem und sah ihren Begleiter wie beifallheischend an. Der Mann neigte den Kopf und verzog keine Miene.
»Dann geschehe also Gottes Wille«, sagte er ohne Bewegung.
Die Frau nickte den beiden stämmigen Mönchen zu, die den jungen Mann festhielten.
»So sei es«, verkündete sie.
Sie drehten den Gefangenen herum, mit dem Gesicht zur Plattform, und schoben ihn trotz seines Sträubens vorwärts. Er wäre vornüber gefallen, wenn sie ihn nicht gehalten hätten. Bevor er das Gleichgewicht wiedererlangte, hatten sie ihm schon die Arme auf den Rücken gedreht, und einer von ihnen band sie mit einem kurzen Strick geschickt zusammen.
»Ich bin nicht schuldig! Nicht schuldig!« rief der junge Mann und wehrte sich vergeblich gegen sie. »Fragt nach den Handschellen! Nach den Handschellen! Fragt danach!«
Der kräftige Mann, der auf der Plattform wartete, trat nun vor und hob den Gefangenen so leicht hoch wie ein Kind. Er stellte ihn auf den Schemel, legte ihm die Schlinge um den Hals und erstickte seine Rufe, während einer der beiden Mönche ihm die Füße fesselte.
Dann stiegen die beiden Mönche von der Plattform herunter, während der Henker neben dem jungen Mann stehenblieb, der nun mit dem Hals in der Schlinge unsicher auf dem Schemel balancierte.
Die Mönche und Nonnen setzten wieder mit dem lateinischen Gesang ein, diesmal in schnellerem, härterem Ton. Die Äbtissin suchte den grimmigen Blick des Henkers und nickte kurz.
Der muskulöse Mann stieß einfach mit dem Fuß den Schemel unter dem jungen Mann fort, und der gab einen letzten erstickten Schrei von sich, ehe die Schlinge sich endgültig zuzog. Dann pendelte er mit zuckenden Beinen hin und her, bis der Strick ihn langsam erdrosselte.
Aus einem kleinen vergitterten Fenster über dem Hof starrte Bruder Eadulf von Seaxmund’s Ham auf das Geschehen hinunter. Nun erschauerte er, bekreuzigte sich und murmelte ein rasches Gebet für die Seele des Toten. Dann wandte er sich vom Fenster ab der düsteren Zelle zu.
