Bei allem Bemühen, seine Gefühle vor Forbassach zu verbergen, konnte er sie doch nicht vor sich selbst verleugnen. Er ging zum Fenster und starrte auf den Galgen hinunter. Der Leichnam Bruder Ibars hing nun still, und seine Glieder zuckten nicht mehr. Das Leben war aus ihm gewichen. Eadulf versuchte sich ein Gebet abzuringen, doch es wollten keine Worte kommen. Der Mund war trocken, die Zunge geschwollen. Morgen mittag würde er dort unten an dem Galgen pendeln. Nichts konnte das mehr verhindern.

Fearna, der große Ort der Erlen, war die Hauptsiedlung der Ui Cheinnselaigh, der Herrscherdynastie des Königreichs Laigin. Die Stadt lag an der Seite eines Berges an einer Stelle, wo zwei von breiten Flüssen durchzogene Täler wie die Arme eines großen Y zusammenkamen und ein einziges weites Tal bildeten, in dem die Flüsse, nun vereinigt, erst südwärts und dann ostwärts dem Meer zustrebten.

Fidelma und ihre Gefährten hatten die Nacht in Morcas Gasthaus verbracht, dann die Furt durch den breiten Slaney benutzt und waren nun auf dem Weg zwischen dem Slaney und dem Fluß Bann, an dessen Ufern die Hauptstadt der Könige von Laigin lag. Ihre Ankunft zwischen den ausgedehnten Gebäuden aus Holz und Stein erregte keine Aufmerksamkeit, denn viele Reisende, Kaufleute, Händler und Gesandte aus anderen Königreichen, kamen und gingen regelmäßig. Fremde waren in der Stadt so häufig, daß sie nicht auffielen.

Fearna wurde überragt von zwei Gebäudekomplexen. Auf einem kleinen Vorsprung des Berges am Fluß erhob sich die Festung der Könige von Laigin. Sie war groß, unterschied sich aber nicht von anderen runden Zitadellen, denen man in den fünf Königreichen von Eireann häufig begegnete. Eigenartigerweise war es die Abtei Maedoc, die die Landschaft beherrschte, eine große graue Ansammlung von Gebäuden dicht am Ufer des Flusses Bann. Sie hatte einen eigenen kleinen Kai, an dem Schiffe aus den Ansiedlungen anlegten, um Handel zu treiben. Durch diesen Flußhandel war Fearna groß geworden.



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