
Fianamail kehrte zu seinem Stuhl zurück. Mit gefurchter Stirn überdachte er den Fall. Es war klar, daß eine Zustimmung zu ihrer Forderung ihm Sorgen machte, er jedoch kein Argument dagegen finden konnte.
»Ich will mich nicht schon wieder mit deinem Bruder streiten«, gab er schließlich zu. »Ich will aber auch nichts tun, was den Verfahrensregeln und der Rechtsprechung in meinem Königreich zuwiderläuft.« Er rieb sich nachdenklich das Kinn. Nach einer Weile seufzte er tief. »Ich gebe dir Zeit, das Verbrechen zu untersuchen, dessen der Angelsachse schuldig befunden wurde. Wenn du etwas am Vorgehen und am Urteil unserer Gerichte findest, was nicht in Ordnung ist, will ich deine Berufung mit dieser Begründung zulassen.«
Fidelma unterdrückte ein erleichtertes Aufatmen. »Mehr verlange ich nicht. Aber ich brauche deine Vollmacht.«
»Ich lasse Feder und Pergament kommen und stelle sie aus«, stimmte er zu, nahm eine kleine silberne Handglocke und läutete.
»Gut.« Fidelma fühlte, wie ihr eine Last von den Schultern fiel. »Wieviel Zeit gewährst du mir für meine Untersuchung?«
Ein Diener trat ein und erhielt den Auftrag, die Schreibgeräte zu bringen. Die Augen des jungen Königs blickten kalt.
»Wie lange? Nun, du hast Zeit bis morgen mittag, dann soll das Urteil an dem Angelsachsen vollstreckt werden.«
Fidelmas vorübergehende Erleichterung fand ein plötzliches Ende, als sie erkannte, welche Beschränkung Fianamail ihr auferlegte.
»Na also«, lächelte Fianamail. »Du kannst nicht behaupten, ich hielte mich nicht an die Bräuche unseres Landes. Ich gebe dir Zeit, eine Berufung vorzubereiten. Das wolltest du doch.«
Der Diener kam mit den Schreibgeräten herein, und der König kritzelte schnell etwas auf das Pergament. Fidelma nahm sich Zeit zur Antwort.
