»Gibst du mir nicht mehr als vierundzwanzig Stunden? Ist das Gerechtigkeit?« Sie sprach langsam und bemühte sich, ihren aufsteigenden Zorn nicht ausbrechen zu lassen.

»Ganz gleich, wieviel Gerechtigkeit, es ist jedenfalls Gerechtigkeit«, erwiderte Fianamail rachsüchtig. »Mehr schulde ich dir nicht.«

Einen Moment schwieg Fidelma und überlegte, womit sie noch an ihn appellieren könnte. Dann wurde ihr klar, daß es nichts mehr zu sagen gab. Der junge Mann besaß die Macht, und sie hatte keine größere Macht zur Verfügung, um sein Rachegelüst zu brechen.

»Nun gut«, sagte sie schließlich. »Wenn ich Gründe für eine Berufung finde, wirst du dann die Hinrichtung aufschieben bis zum Eintreffen des Oberrichters Barran, damit er den Fall prüfen kann?«

Fianamail rümpfte die Nase. »Wenn du Gründe für eine Berufung findest und meine Gerichte sie anerkennen, dann erlaube ich einen Aufschub, bis Brehon Barran herbeigerufen werden kann. Die Gründe für eine solche Berufung müssen aber stichhaltig sein und nicht bloß auf Verdacht beruhen.«

»Das versteht sich von selbst. Gestattest du mir auch, mich in diesen vierundzwanzig Stunden überall ungehindert zu bewegen, um meine Nachforschungen anzustellen?«

»Das steht alles hier drin.« Der König hielt ihr das Pergament hin. Sie nahm es nicht.

»Dann mußt du dein Siegel zur Bestätigung dafür darauf setzen, daß ich mit deiner Zustimmung und Vollmacht handele.«

Fianamail zögerte. Fidelma wußte, ein Stück Pergament mit seiner Zustimmung, daß sie ein paar Fragen stellen durfte, war nichts wert ohne das Siegel des Königs.

Der König war sich wiederum nicht schlüssig.

»Die Tötung eines techtaire gilt beim Oberrichter und beim Großkönig als ein schwerer Verstoß«, stellte sie nachdrücklich fest. »Für den Tod eines Königsboten, ob durch Mord oder Hinrichtung, muß man sich rechtfertigen. Es wäre klug, wenn du mir die Vollmacht erteiltest, den Fall zu untersuchen.«



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