
Schließlich nahm Fianamail achselzuckend ein Stück Wachs aus der Dose, hielt es an die Kerze, bis Tropfen auf das Pergament fielen, und drückte seinen Siegelring darauf.
»Jetzt hast du meine Zustimmung. Es soll nicht heißen, ich hätte dir nicht alle Wege geöffnet.«
Fidelma war zufrieden und nahm die Vollmacht an sich.
»Ich möchte Bruder Eadulf sofort sprechen. Wird er hier in deiner Burg gefangengehalten?«
Zu ihrer Überraschung schüttelte Fianamail den Kopf. »Nein, nicht hier.«
»Wo dann?«
»Er sitzt drüben in der Abtei.«
»Was macht er dort?«
»Dort hat er sein Verbrechen begangen, und dort wurde er auch verhört und verurteilt. Äbtissin Fainder hat den Fall selbst in die Hand genommen, denn das Opfer war eine ihrer Novizinnen. In der Abtei wurde dem Angelsachsen der Prozeß gemacht, und dort wird er morgen hingerichtet.«
»Äbtissin Fainder? Ich dachte, die Abtei Fearna unterstände Abt Noe?«
»Wie ich dir schon sagte, ist Abt Noe jetzt mein geistlicher Berater und Beichtvater ...«
»Beichtvater? Das ist ein römischer Begriff.«
»Nenn ihn >Seelenfreund<, wenn du bei den komischen altmodischen Bräuchen der irischen Kirche bleiben willst. Ich habe ihm die religiöse Gerichtsbarkeit in meinem ganzen Königreich übertragen. Die Abtei des heiligen Maedoc wird nun von der Äbtissin Fainder geleitet. Ihre Verwalterin ist übrigens eine entfernte Kusine von mir, Etromma.« Es klang plötzlich entschuldigend. »Aus einem armen Zweig meiner Familie, mit dem ich wenig zu tun habe, aber sie soll die Geschäfte der Abtei sehr gut führen, wie ich höre. Doch es ist die Äbtissin selbst, die gefordert hat, daß uns die Bußgesetze in unserem christlichen Glauben wie auch in unserem täglichen Leben leiten sollen und die Bestrafung des Angelsachsen nach ihnen erfolgen soll.«
»Äbtissin Fainder?« überlegte Fidelma. »Von ihr habe ich noch nie etwas gehört.«
