
Was eigentlich nicht möglich sein sollte. Na gut, Mr. President hat mich gesehen, aber das auch nur, weil er einen Dämon in sich hatte. Zwei Mal in einer Nacht war noch nie da gewesen. Ich ging schnell zum Bett hinüber, hob warnend eine goldene Faust, und der Patient nahm die Hand vom Klingelknopf. Ich blieb abrupt stehen, denn endlich erkannte ich den Patienten. Hinter meiner goldenen Maske riss ich vor Erstaunen den Mund auf. Kein Wunder, dass er mich sehen konnte: Der Mann im Bett war der Karma-Katechet!
Der Karma-Katechet, eine lebende Legende, wusste alles, was es über magische Systeme, Rituale und Machtformen zu wissen gab. Er war die lebende Verkörperung jeder mystischen Quelle, jedes verbotenen Buches, jeder dunklen und geheimen Abhandlung darüber, wie man anderen Leuten schreckliche Dinge in sieben einfachen Schritten antut. Er war dafür bestimmt worden, als er noch in der Gebärmutter war, gestaltet von schrecklichen Willen, seine Funktion, seine Form und sein Fatum vorherbestimmt von mächtiger Zauberei und arkaner Mathematik. Er kannte es alles, von der Kabbala zum Necronomicon, vom Buch Judas zu den Hoheliedern des Herodes. Jeden Zauberspruch, jedes Arbeitsprinzip, jede Konzeption.
Meine Familie hatte jahrelang versucht, ihn in die Finger zu kriegen, aber seit Jahrzehnten hatte ihn keiner zu Gesicht bekommen. Er war von jeder Gruppe, die jemals von der Macht geträumt hatte, hin und her gereicht, geraubt und entführt und ausgetauscht worden, weil keine Gruppe allein ihn lange festhalten konnte. Das Problem war, er wusste zu viel, und man musste die richtigen Fragen kennen, um die Antworten zu kriegen, die man brauchte. Eine lebende Enzyklopädie erschreckenden Wissens, aber kein Inhaltsverzeichnis. Und jetzt war er in greifbarer Nähe! Wenn ich ihn nur mit mir zusammen hier rausschaffen könnte … Nein. Zu viel Schwierigkeiten. Seine besondere Natur würde zu Interferenzen mit dem Tarnkappenmodus meiner Rüstung führen. Mit ihm würde ich bemerkt werden, er würde mich langsamer machen … Nein, ich würde einfach weitersagen, dass er hier war, und der Familie die Entscheidung darüber überlassen, was als Nächstes getan werden sollte.
