
»Inzwischen fallen dort keine Bomben mehr, aber die Jungen und Mädchen sind immer noch obdachlos und ohne jeden Beistand. Ein Messer, ein Stein oder eine Schusswaffe, wenn sie das Glück haben und eine in die Hände bekommen, ist für sie die einzige Möglichkeit, sich zur Wehr zu setzen.« Dana schloss einen Moment lang die Augen und atmete tief durch. »Diese Kinder sind fürs Leben gezeichnet. Auch Kemal hat Wunden davon getragen, aber er ist ein anständiger Junge. Er muss nur begreifen, dass er hier in Sicherheit ist. Dass ihn hier keine Feinde bedrohen. Ich verspreche Ihnen, dass er so etwas nie wieder tun wird.«
Danach herrschte eine ganze Zeit lang Stille. »Wenn ich jemals rechtlichen Beistand brauchen sollte«, sagte Thomas Henry schließlich, »möchte ich, dass Sie mich verteidigen.«
Dana rang sich ein erleichtertes Lächeln ab. »Ich verspreche es.«
Thomas Henry seufzte. »Na schön. Sprechen Sie mit Kemal. Wenn so was noch mal vorkommt, muss ich leider -«
»Ich rede mit ihm. Vielen Dank, Mr. Henry.«
Kemal wartete draußen auf dem Flur.
»Los, wir fahren nach Hause«, sagte Dana schroff.
»Haben die mein Messer behalten?«
Sie ging nicht darauf ein.
»Tut mir Leid, dass ich dir das eingebrockt habe, Dana«, sagte Kemal auf der Heimfahrt.
»Ach, nicht so schlimm. Immerhin bist du nicht von der Schule geflogen. Schau, Kemal -«
»Okay. Kein Messer mehr.«
»Ich muss wieder ins Studio«, sagte Dana, als sie in der Wohnung waren. »Der Sitter kommt jeden Moment. Und heute Abend müssen wir zwei mal ein ernstes Wort miteinander reden.«
Als die Abendnachrichten vorüber waren, wandte sich Jeff an Dana. »Du wirkst so bedrückt, Liebes.«
