»Bin ich auch. Es geht um Kemal. Ich weiß nicht, was ich mit ihm machen soll, Jeff. Ich musste heute mit seinem Rektor sprechen, und außerdem haben schon wieder zwei Haushaltshilfen wegen ihm gekündigt.«

»Er ist ein klasse Kerl«, sagte Jeff. »Er braucht bloß ein bisschen Zeit zum Eingewöhnen.«

»Mag sein. Jeff?«

»Ja?«

»Hoffentlich habe ich nicht einen schweren Fehler gemacht, als ich ihn hergebracht habe.«

Kemal wartete bereits, als Dana in ihre Wohnung zurückkehrte.

»Setz dich«, sagte sie. »Wir müssen miteinander reden. Du musst allmählich lernen, dich an die Regeln zu halten, und vor allem müssen diese ewigen Prügeleien aufhören. Ich weiß, dass es dir die anderen Jungs schwer machen, aber du musst dich irgendwie mit ihnen einigen. Wenn du dich weiter mit ihnen herumprügelst, wird dich Mr. Henry von der Schule verweisen.«

»Mir doch wurscht.«

»Das darf dir aber nicht gleichgültig sein. Ich möchte, dass du es zu etwas bringst, und ohne Ausbildung geht das nicht. Mr. Henry sieht es dir noch einmal nach, aber -«

»Scheiß drauf.«

»Kemal!« Ohne nachzudenken, versetzte ihm Dana eine Ohrfeige. Sie bereute es auf der Stelle. Kemal starrte sie mit ungläubiger Miene an, stand auf, rannte ins Arbeitszimmer und knallte die Tür zu.

Das Telefon klingelte. Dana nahm ab. Es war Jeff. »Dana -«

»Liebling, ich - ich kann jetzt nicht mit dir reden. Ich bin zu verstört.«

»Was ist passiert?«

»Es geht um Kemal. Er benimmt sich unmöglich!«

»Dana .«

»Ja?«

»Versetz dich in seine Lage.«

»Was?«

»Denk drüber nach. Tut mir Leid, ich habe gleich Redaktionsschluss. Ich liebe dich, und über alles Weitere reden wir später.«

Versetz dich in seine Lage? Das ist doch Unsinn, dachte Dana. Woher soll ich wissen, wie Kemal zu Mute ist? Ich bin kein zwölfjähriges Waisenkind, das im Krieg einen Arm verloren hat, ich habe nicht das Gleiche durchgemacht wie er. Dana saß eine ganze Zeit lang da und dachte nach.



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