Langsam zog Dana wieder ihre eigenen Sachen an, dachte dabei an die Songs, die sich Kemal dauernd anhörte. Die CDs von Britney Spears, den Backstreet Boys, Lim Biskit. »Baby One More Night«, »Don ’t Wanna Lose You Now«, »I Need You Tonight«, »As Long As You Love Me«, »Nobody Loves Me.«

Sämtliche Texte handelten von Einsamkeit und Sehnsucht.

Dana nahm sich Kemals Zeugnis vor. Sicher, in den meisten Fächern versagte er, aber in Mathematik hatte er eine Eins. Auf diesen Einser kommt es an, dachte Dana. Das zeichnet ihn aus. Darauf kann er aufbauen. In den anderen Fächern wird uns schon etwas einfallen.

Als Dana die Tür des Arbeitszimmers öffnete, lag Kemal mit geschlossenen Augen und tränennassem Gesicht im Bett. Dana betrachtete ihn einen Moment lang, beugte sich dann vor und küsste ihn auf die Wange. »Tut mir Leid, Kemal«, flüsterte sie. »Vergib mir.«

Morgen wird alles besser.

Am nächsten Morgen fuhr Dana mit Kemal in aller Frühe zu Dr. William Wilcox, einem bekannten Orthopäden und Chirurgen. Nach der Untersuchung sprach Dr. Wilcox mit Dana unter vier Augen.

»Miss Evans, wir könnten ihm eine Prothese anpassen, aber das würde rund zwanzigtausend Dollar kosten. Und es kommt noch etwas hinzu. Kemal ist erst zwölf, das heißt, dass er noch wachsen wird, bis zu seinem siebzehnten oder achtzehnten Lebensjahr. Er brauchte alle paar Monate eine neue Prothese, weil die alte nicht mehr passt. Ich fürchte, so etwas ist finanziell nicht machbar.«

Dana verlor jeden Mut. »Ich verstehe. Vielen Dank. Doktor.«

»Keine Sorge, mein Schatz«, sagte Dana zu Kemal, als sie wieder draußen waren. »Uns wird schon etwas einfallen.«

Dana setzte Kemal vor der Schule ab und fuhr zum Studio. Sie war nur mehr ein paar Straßen davon entfernt, als ihr Handy klingelte. Sie meldete sich. »Hallo?«



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