»Was ist los?«, fragte Matt.

»Ich soll zur Schule kommen und Kemal abholen«, sagte Dana.

Elliot Cromwell runzelte die Stirn. »Ist das der Junge, den Sie aus Sarajevo mitgebracht haben?«

»Ja.«

»Eine tolle Geschichte.«

»Ja«, sagte Dana verhalten.

»Haben Sie den nicht auf irgendeinem Grundstück aufgestöbert?«

»So ist es«, erwiderte Dana.

»Er hatte irgendeine Krankheit oder so was Ähnliches?«

»Nein«, sagte sie entschieden, weil sie keine Lust hatte, über diese Zeit zu reden. »Kemal hat einen Arm verloren. Er wurde von einer Bombe weggerissen.«

»Und Sie haben ihn adoptiert.«

»Offiziell noch nicht, Elliot. Aber ich habe es vor. Vorerst bin ich nur sein Vormund.«

»Nun denn, holen Sie ihn ab. Über Alibi sprechen wir später weiter.«

Als Dana in der Theodore Roosevelt Middle School eintraf, begab sie sich unverzüglich zum Rektorat. Vera Kostoff, die stellvertretende Schulleiterin, eine verhärmt wirkende, vorzeitig ergraute Frau um die fünfzig, saß an ihrem Schreibtisch. Kemal hockte ihr gegenüber. Er war zwölf Jahre alt, klein für sein Alter, schmal und blass, hatte zerzauste blonde Haare und ein trotziges Kinn. Sein rechter Hemdsärmel hing leer herunter. Hier in diesem Zimmer wirkte er noch schmächtiger als sonst.

Als Dana in das Büro kam, spürte sie sofort die Spannung, die in der Luft lag.

»Hallo, Mrs. Kostoff«, sagte sie mit strahlender Miene.

»Kemal.«

Kemal starrte auf seine Schuhe.

»Soweit ich weiß, ist irgendetwas vorgefallen«, fuhr Dana fort.

»Ja, das kann man wohl sagen, Miss Evans.« Sie reichte Dana ein Blatt Papier.

Dana schaute verdutzt darauf. Vidja stand dort, pizda, zbosti, fukati, nezakonski otrok, umreti, tepec. Sie blickte auf. »Ich - ich verstehe nicht recht. Das ist Serbisch, nicht wahr?«



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