»So ist es«, erwiderte Mrs. Kostoff verkniffen. »Kemal hat das Pech, dass ich zufällig Serbin bin. Diese Ausdrücke hat Kemal im Unterricht gebraucht.« Ihr Gesicht war rot angelaufen. »So drücken sich nicht einmal serbische Lastwagenfahrer aus, Miss Evans, und ich lasse mir von diesem Knaben hier keine solchen Kraftausdrücke bieten. Kemal hat mich eine pizda geheißen.«

»Eine pi-?«, sagte Dana.

»Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass Kemal noch nicht lange in diesem Land weilt, und ich habe mich wirklich um Nachsicht bemüht, aber sein - sein Betragen ist abscheulich. Ständig ist er auf Streit aus, und als ich ihn heute Morgen getadelt habe, hat er - hat er mich beleidigt. Das geht zu weit.«

»Sie sind sich doch sicherlich bewusst, wie schwer er sich hier tut, Mrs. Kostoff, und -«

»Wie schon gesagt, ich bin durchaus nachsichtig mit ihm, aber er stellt meine Geduld auf eine harte Probe.«

»Ich verstehe.« Dana blickte zu Kemal. Er starrte nach wie vor mürrisch auf seine Schuhe.

»Ich hoffe, dass dies der letzte derartige Vorfall war«, sagte Mrs. Kostoff.

»Ich auch.« Dana stand auf.

»Ich habe Kemals Zeugnis für Sie.« Mrs. Kostoff öffnete eine Schublade, zog ein Blatt Papier heraus und reichte es Dana.

»Danke«, sagte Dana.

Auf der Heimfahrt schwieg Kemal.

»Was soll ich nur mit dir machen?«, sagte Dana. »Wieso bist du ständig auf Streit aus, und weshalb benutzt du solche Ausdrücke?«

»Ich hab nicht gewusst, dass sie Serbisch kann.«

»Ich muss wieder ins Studio, Kemal«, sagte sie, als sie vor ihrem Wohnhaus anlangten. »Kommst du hier allein klar?«

»Top.«

Als Kemal das zum ersten Mal zu ihr gesagt hatte, hatte Dana gedacht, er hätte sie nicht verstanden, doch sie begriff rasch, dass dies zu dem Geheimjargon gehörte, den die jungen Leute sprachen. »Top« hieß so viel wie »ja«. Angehörige des anderen Geschlechts wurden als »Knies« bezeichnet - knackig, niedlich und scharf. Alles war entweder cool oder geil, krass oder mega. Wenn ihm etwas nicht gefiel, war es ätzend.



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