
Dana holte das Zeugnis heraus, das Mrs. Kostoff ihr gegeben hatte. Sie kniff die Lippen zusammen, als sie es las. Geschichte vier. Englisch vier. Naturkunde vier. Sozialkunde sechs. Mathematik eins.
Ach Gott, was soll ich nur machen?, dachte Dana, während sie das Zeugnis betrachtete. »Darüber sprechen wir ein andermal«, sagte sie. »Ich bin spät dran.«
Kemal war Dana ein Rätsel. Wenn sie beisammen waren, benahm er sich tadellos, er war liebevoll, zuvorkommend und reizend. Am Wochenende zogen Dana und Jeff mit ihm kreuz und quer durch Washington, gingen in den National Zoo mit seinem sehenswerten Aufgebot an wilden Tieren und betrachteten die aus den Dschungeln Chinas stammenden Riesenpandas. Sie besuchten das National Air & Space Museum, wo sie Kemal die von der Decke baumelnde Maschine zeigten, mit der die Gebrüder Wright den ersten Motorflug unternommen hatten, besichtigten das Skylab und fassten das Mondgestein an. Sie gingen ins Kennedy Center und zum Arena Stage. Sie luden Kemal zu einer Pizza bei Tom Tom ein, zu Tacos bei Mextec und Brathähnchen nach Südstaatenart bei Georgia Brown’s. Kemal genoss jede einzelne Sekunde. Er liebte diese gemeinsamen Unternehmungen mit Dana und Jeff über alles.
Doch wenn Dana zur Arbeit gehen musste, verwandelte sich Kemal in einen anderen Menschen. Er wurde feindselig und widerspenstig. Dana konnte auf Dauer keine Haushaltshilfe halten, und die Mädchen, die abends auf Kemal aufpassten, erzählten die reinsten Horrorgeschichten.
Jeff und Dana versuchten gütlich auf ihn einzuwirken, doch es nützte nichts.
Vielleicht braucht er psychologischen Beistand, dachte Dana. Sie hatte keine Ahnung, welche Ängste und Schrecken Kemal plagten.
Die Abendnachrichten von WTN gingen über den Äther. Richard Melton, Danas gut aussehender Ko-Moderator, und Jeff Connors saßen neben ihr.
