
«Du hast überhaupt nicht gefragt.«
Sie drehte sich herum. Cherokee präsentierte sich angekleidet — wie verlangt — in einem T-Shirt, das vom vielen Waschen eingegangen war, und einer Bluejeans, die tief auf seinen Hüften hing und so lang war, dass die Säume der Hosenbeine den Fußboden streiften. Nicht zum ersten Mal dachte China, als sie ihn betrachtete, dass er wie ein Anachronismus wirkte. Mit den zu langen rotblonden Locken, den schmuddeligen Kleidern, den nackten Füßen und seinem ganzen Auftreten nach hätte er ein verspäteter Hippie sein können. Was ihre gemeinsame Mutter zweifellos mit Stolz erfüllte, bei seinem Vater Beifall hervorrief und bei ihrem Vater Gelächter. Bei China jedoch — ärgerliche Ungeduld. Trotz seines Alters und seines straffen Körpers wirkte Cherokee immer noch so, als wäre er zu verletzlich, um das Leben allein zu meistern.
«Hey, du hast mich gar nicht gefragt«, sagte er noch einmal.
«Was denn?«
«Was ich am Laufen hab. Warum ich kein Auto mehr brauche. Ich bin übrigens per Anhalter gekommen. Aber das ist auch nicht mehr das, was es mal war. Ich bin seit gestern Mittag unterwegs.«
«Genau deswegen brauchst du ein Auto.«
«Aber nicht für das, was ich vorhabe.«
«Ich hab's dir schon gesagt, mein Auto kriegst du nicht. Das brauch ich für die Arbeit. Und wieso bist du nicht in der Uni? Hast du's wieder mal geschmissen?«
«Ich hab aufgehört. Ich brauche mehr Zeit für die Papers. Das ist ein Riesengeschäft, sag ich dir. Du hast keine Ahnung, wie viele gewissenlose Studenten es heutzutage gibt, China. Wenn ich daraus eine berufliche Karriere machen wollte, könnte ich mich wahrscheinlich mit vierzig zur Ruhe setzen.«
China verdrehte die Augen. Die Papers waren Prüfungsarbeiten, Hausarbeiten, Aufsätze, gelegentlich eine Magisterarbeit und, bisher, zwei Dissertationen.
