
Perthes stand an der Tür und beobachtete sie. Dann zündete er sich eine Zigarette an.
«Gefällt er Ihnen nicht?«fragte er leise.
Die Ärztin blickte hoch.»Gehirnerschütterung«, sagte sie mit einem leichten Tadel in der Stimme.»Außer der Schlagader noch eine leichte Rippenquetschung und ein Muskelriß. Das genügt für so einen Jungen! Er muß sofort in die Klinik. «Sie rollte dabei den Gürtel zusammen, der um den Arm des Jungen geschnürt worden war.»Wer hat eigentlich den Arm abgebunden?«fragte sie dann.
«Warum? War es so schlecht?«
«Nein. Sehr gut sogar. Waren Sie es?«
«Ja.«
Dr. Bender sah ihr Gegenüber kritisch an.»Sie waren wohl im Krieg Sanitäter?«
Dr. Perthes lächelte.»Wie man's nimmt. «Sanitäter! Wenn der arme Junge nicht dort auf dem Tisch liegen würde, könnte das eine ganz charmante Unterhaltung werden, dachte er.»Ich habe ab und zu mal im Lazarett gelegen. Einmal hatte ich neben mir einen Kameraden, dem hatte ein russisches Explosivgeschoß den Arm weggerissen. Nun phantasierte er immer des Nachts und glaubte, der Russe wolle ihn mitnehmen. Dabei schlug er um sich, traf seinen Stumpf, die Naht platzte und die Ader riß. Da habe ich ihn abgebunden, so gut, wie ich dachte. Der Kamerad wurde gerettet. «Er lächelte wieder.
Die Ärztin beugte sich über das Kind.»Rufen Sie bitte den Krankenwagen der Lindenburg«, sagte sie.»Nebenan, auf meinem Schreibtisch, steht das Telefon. Sie kennen die Nummer?«
«Zufällig ja.«
Immer noch lächelnd eilte Dr. Perthes in den Nebenraum. Es war ein kleiner Salon mit Chippendalemöbeln, einem runden Tisch, einem Schreibtisch, einer gemütlichen Couchecke und weichen Sesseln.
Während er den Hörer abnahm, die Nummer wählte und wartete, bis der Apparat der Krankenhausaufnahme frei wurde, las er in einem zufällig auf dem Schreibtisch liegenden Paß die Angaben über die unbekannte Kollegin:
