
Aber diese vielen, vielen Frauen hatten keine Ahnung, daß ihre Chance, einmal von Ruf in die Arme geschlossen zu werden, gleich Null war. Ruf mochte Frauen nicht. Nicht daß er abnorm veranlagt war, das nicht. Er mochte auch Männer nicht. Er mochte keine Schafe, Regenmäntel, Peitschen, etc. Ruf mochte nur Ruf, und der Glanz der Liebe in seinen Augen war nichts anderes als das Widerspiegeln einer narzißhaften Eigenliebe. Er war einer von vielen StrandMuskelprotzen gewesen, bis man entdeckte, daß er schauspielern konnte. Das heißt, richtig schauspielern konnte er nicht, aber man hatte herausgebracht, daß er genau das tat, was man ihm sagte. Er wiederholte mit Ochsengeduld immer wieder die gleichen Gesten und Worte, bis er sie beherrschte. Zwischendurch munterte er sich durch einen Blick in den Spiegel auf. Seine Unfähigkeit war nie entdeckt worden, denn immer, bevor jemand merkte, wie schlecht er spielte, griffen die Indianer an, oder es erfolgte eine Dinosaurier-Stampede, oder die Mauern Trojas stürzten ein. Deshalb war Ruf glücklich, und auch die Produzenten waren glücklich, wenn sie die Einnahmen zählten. Man war sich darüber einig, daß man Ruf noch lange einsetzen konnte, bevor das Publikum hinter den Schwindel kam.
»Hallo, Ruf«, sagte Barney, »genau der Mann, den wir brauchen.«
Ruf hob die Hand und lächelte. Er sprach nur, wenn er zum Reden aufgefordert wurde.
»Reden wir nicht lange herum, Ruf, es wird ein Knüller ersten Ranges, und als wir von der Hauptbesetzung sprachen, fiel dein Name. Daraufhin sagte ich: Ein Wikingerfilm ohne Ruf geht nicht. Ruf ist der echteste Wikinger, den man sich vorstellen kann.«
Ruf gab keinerlei Gefühlsregung von sich. »Du hast doch schon von den Wikingern gehört, Ruf, oder?«
Ruf lächelte andeutungsweise.
»Du weißt doch«, fuhr Barney fort, »große Burschen mit Riesenäxten und Hörnern an den Helmen. Sie segelten in Schiffen umher, die geschnitzte Drachenköpfe am Bug hatten …«