»Ich will Euch fragen, ob es auf dieser Seite etwas Neues gibt.«

»Was zum Teufel soll es denn geben? Man ruft: »Es lebe der König!« und: »Nieder mit Mazarin!« das ist nichts Neues, an solche Ausrufungen sind wir seit länger schon gewöhnt.«

»Und Ihr macht den Chor mit,« versetzte Guitaut lachend. »Meiner Treue! ich habe manchmal große Lust dazu und finde, daß sie sehr recht haben, Guitaut. Ich möchte recht gern fünf Jahre meine Löhnung dafür hingeben, die man mir nicht bezahlt, wenn der König um fünf Jahre älter wäre.«

»Wirklich - und was geschähe, wenn der König um fünf Jahre älter wäre?«

»Wäre der König mündig, würde er sogleich seine Befehle selbst erlassen, und es liegt ein viel größeres Vergnügen darin, dem Enkel Heinrichs IV. zu gehorchen, als dem Sohne des Pietro Mazarin. Zum Teufel! für den König wollte ich mich mit Freuden töten lassen; würde ich aber für Mazarin getötet, wie es Eurem Neffen fast geschehen wäre, so gäbe es kein noch so schönes Paradies, das mich je dafür zu trösten vermöchte.«

«Gut, gut, Herr von Villequier,« sprach Mazarin; »seid unbekümmert, ich will den König von Eurer Treue in Kenntnis setzen.« Dann wandte er sich nach der Bedeckung um und fuhr fort: »Vorwärts, meine Herren, es geht alles gut, lasset uns zurückkehren ...«

Der Kardinal hatte während der ganzen Dauer dieses nächtlichen Ausfluges, das ist seit etwa einer Stunde, einen Mann geprüft und nebenbei Comminges, Guitaut und Villequier durchforscht. Jener Mann, der sich bei den Drohungen des Volkes so gleichgültig verhielt, und der bei den Scherzen des Kardinals, sowie bei denen, deren Gegenstand er gewesen war, keine Miene verändert hatte, jener Mann schien ihm ein besonderes Wesen, und für Auftritte von der Art derjenigen gestählt, in denen man sich befand, und vorzüglich derjenigen, welche eben bevorstanden. Überdies



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