
»Sagt an,« versetzte d'Artagnan. »Daß ich nur um Hilfe zu rufen gebraucht hätte, um Euch und Eure Bedeckung in die Pfanne hauen zu lassen, und daß ich sodann frei geworden wäre.«
»Und warum habt Ihr es nicht getan?« fragte d'Artagnan.
»Ei, so geht nur,« entgegnete Rochefort, »geschworene Freundschaft!«
»Ha, wäre es ein anderer gewesen als Ihr, der mich begleitete - so bürge ich.« D'Artagnan verneigte sich mit dem Kopfe.
»Laßt Herrn von Rochefort eintreten,« sprach mit Ungeduld Mazarin, als er die beiden Namen aussprechen hörte, »und ersucht Herrn d'Artagnan zu warten, da ich mit ihm noch nicht fertig bin.«
Diese Worte machten d'Artagnan ganz heiter. Wie er gesagt hatte, so war es schon lange, daß niemand seiner bedurfte, und diese Dringlichkeit Mazarins in betreff seiner Person schien ihm eine gute Vorbedeutung zu sein. Die Türen wurden wieder geschlossen. Rochefort sah Mazarin von der Seite an und erhaschte einen Blick des Ministers, der dem seinigen begegnete. Der Minister war stets derselbe, gut gekämmt, gut frisiert, gut parfümiert, und schien gar nicht so alt zu sein, wie er wirklich war. Mit Rochefort aber verhielt es sich anders, die fünf Jahre, die er im Kerker zugebracht, hatten diesen würdigen Freund Richelieus sehr gealtert; seine schwarzen Haare wurden völlig weiß und seine dunkle Hautfarbe so blaß, daß es einer Entkräftigung glich. Als ihn Mazarin erblickte, schüttelte er unmerklich den Kopf und machte eine Miene, als wollte er sagen: »Dieser Mann scheint mir nicht mehr viel wert zu sein.«
