
»Nun seht Ihr, lieber Herr von Rochefort! wie man oft die besten Absichten falsch deutet. Die Königin sah in Eurer Weigerung nichts als einen Trotz, und beklagte sich sehr über Euch gegen den seligen Kardinal.«
Rochefort lachte verächtlich und sagte: »Eben weil ich dem Herrn Kardinal von Richelieu treu gegen die Königin gedient habe, so mußten Sie einsehen, gnädigster Herr, daß ich Ihnen jetzt, wo er gestorben, treu gegen jedermann dienen würde.«
»Ich, Herr von Rochefort!« versetzte Mazarin, »ich bin nicht wie Herr von Richelieu, der die Allgewalt ins Auge faßte; ich bin ein einfacher Minister und brauche keine Diener, da ich der der Königin bin. Ihre Majestät ist aber sehr reizbar, sie wird wohl Eure Weigerung erfahren, wird sie als eine Kriegserklärung angesehen haben, und da sie weiß, wie Ihr ein Mann von Kopf und folglich gefährlich seid, lieber Herr von Rochefort, so hat sie mir aufgetragen, ich sollte mich Euer versichern. Deshalb also saßet Ihr in der Bastille.«
»So scheint es denn, gnädiger Herr,« entgegnete Rochefort, »daß ich durch einen Irrtum in der Bastille sitze.«
»Ja, ja!« antwortete Mazarin, »gewiß, das alles läßt sich in Ordnung bringen; ihr seid ein Mann, der in gewisse Sachen eindringt, und ist er einmal eingedrungen, sie auf geschickte Weise ins Werk setzt.«
»Dieser Ansicht war auch der Herr Kardinal von Richelieu und meine Bewunderung für den großen Mann vermehrt sich noch dadurch, daß Sie so gütig sind, mir zu sagen, es sei auch die Ihrige.«
Rochefort kniff seine Lippen zusammen, um nicht zu lächeln.
»Ich komme nun zum Zwecke, ich brauche gute Freunde, treue Diener; wenn ich sage, ich brauche sie, so soll das heißen, daß die Königin ihrer bedarf. Es versteht sich von selbst, daß ich alles nur im Auftrage der Königin tue; denn ich handle nicht wie der Herr Kardinal von Richelieu, der alles nur nach eigener Laune tat.
