Da der Großmast gebrochen war, konnte kein Fahrsegel gehißt werden. Aber nur so hätte man das Schiff noch einigermaßen sicher steuern können. Der an der Oberbramstenge gebrochene Fockmast stand zwar vorläufig noch, doch mußte man jede Minute befürchten, daß er, wenn die Takelage riß, auf Deck stürzen und vollends auseinanderbrechen würde. Am Bug flatterten die Fetzen des kleinen Klüversegels. Bis jetzt war weder eine Insel noch irgendein Festland im Osten aufgetaucht. Die Kinder spähten vergebens nach einem Licht, einem Orientierungspunkt. Ringsherum war tiefe, undurchdringliche Nacht.

»Moko! Der Fockmast ist kaputt!« rief plötzlich Doniphan.

»Nein! Soweit ich sehen kann, hat sich nur das Segeltuch von den Saumtauen gelöst!«

»Wir müssen es abreißen«, sagte Briant. »Gordon, bleib du mit Doniphan am Rad, und du, Moko, hilfst mir!«

Neben Moko hatte auch Briant einige nautische Kenntnisse. Sie lösten das Hißtau der Raa, die sich über dem Vorderdeck herabsenkte, schnitten die Fetzen des Focksegels mit ihren Messern ab und befestigten dessen untere Ecken durch einige Hilfsbrassen an den Pflöcken der Schanzkleidung; dabei gerieten sie mehrmals in Gefahr, von den Sturzseen weggespült und ertränkt zu werden. Unter dieser bis aufs äußerste verminderten Segelfläche konnte die Sloughi wenigstens einigermaßen Richtung halten. Briant und Moko kehrten wieder zu Gordon und Doniphan ans Steuerrad zurück. Da öffnete sich die Tür zum Salon zum zweiten Male. Ein Kind streckte den Kopf heraus. Es war Jacques, der um 3 Jahre jüngere Bruder Briants. »Was willst du?« fragte Briant. »Komm schnell. Im Salon steht Wasser!«

»Was?!« rief Briant erschreckt. »Wie ist das möglich?«

Mit einem Satz sprang er die Treppe hinunter. Den Salon erleuchtete mehr als notdürftig eine Hängelampe, die mit dem Rollen des Schiffes hin und her schwankte. Etwa 10 Kinder lagen auf den Polsterbänken oder Betten, die kleinsten, nicht älter als 8 Jahre, hatten sich in ihrer Todesangst dicht aneinandergedrängt.



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