
»Sie …?« Sein Blick irrlichterte zum Brunnen mit dem Holzdeckel hinüber, der von zwei Latten gestützt wurde, die im Sternenschein irgendwie trostlos grausig wirkten.
»Ja, Hank, das ist sie.« Seine Mutter hasste es, wenn ich ihn Hank nannte, weil es ihrer Meinung nach ordinär war, aber jetzt konnte sie nichts mehr dagegen machen. »Hat uns einfach sitzenlassen. Das tut uns natürlich leid, aber
»Und ich kann weiter … mit Shannon befreundet bleiben?«
»Natürlich«, sagte ich. Vor meinem inneren Auge sah ich wieder, wie Arlettes Mittelfinger seinen lüsternen Kreis um ihren Schritt steppte. »Natürlich kannst du das. Aber solltest du jemals den Drang verspüren, Shannon alles zu gestehen…«
Auf seinem Gesicht erschien ein entsetzter Ausdruck. »Niemals!«
»Das glaubst du jetzt, und ich bin froh darüber. Aber solltest du ihn eines Tages doch verspüren, musst du eines wissen: Sie würde davonlaufen.«
»Klar würde sie das«, murmelte er.
»Geh jetzt ins Haus, und hol die beiden Wascheimer aus der Speisekammer. Am besten auch ein paar Milcheimer aus dem Stall. Füll sie an der Küchenpumpe, und schäum das Wasser mit dem Zeug auf, das sie in der Küche unter dem Ausguss hat.«
»Soll ich das Wasser heiß machen?«
Ich hörte meine Mutter sagen: Für Blut immer kaltes Wasser, Wilf. Denk daran.
»Nicht nötig«, sagte ich. »Ich komme nach, sobald ich den Deckel wieder geschlossen habe.«
Er wollte sich schon abwenden, packte mich aber stattdessen am Arm. Seine Hände waren erschreckend kalt. »Das darf nie jemand erfahren!«, flüsterte er mir heiser ins Gesicht. »Was wir getan haben, darf nie jemand erfahren!«
»Das erfährt auch niemand«, sagte ich, was weit kühner klang, als mir zumute war. Einiges war schon fehlgeschlagen, und ich erkannte allmählich, dass eine Tat etwas ganz anderes war, als sie nur zu erträumen.
