»Sie kommt nicht zurück, stimmt’s?«

»Was?«

»Sie wird uns doch in Ruhe lassen, oder?« Nur sprach er lassen auf jene ländliche Weise aus, bei der Arlette den Kopf geschüttelt und die Augen verdreht hätte. Erst jetzt, acht Jahre später, fällt mir auf, wie sehr lassen wie hassen klingt.

»Ja«, sagte ich.

Aber ich irrte mich.

Ich sah in den Brunnen, und obwohl er nur 7 Meter tief war, konnte ich in jener Neumondnacht nur den blassen Fleck des Quilts ausmachen. Vielleicht war es auch der Kissenbezug. Ich schloss den Deckel wieder, rückte ihn etwas zurecht und ging dann ins Haus zurück. Ich versuchte, den gleichen Weg zu gehen, den wir mit unserem schrecklichen Bündel zurückgelegt hatten, und schlurfte absichtlich, um etwaige Blutspuren zu verwischen. Morgen früh würde ich bessere Arbeit leisten.

In jener Nacht fand ich etwas heraus, was die meisten Leute nie erfahren werden: Mord ist Sünde, Mord ist Verdammnis (ganz bestimmt für Geist und Verstand des Täters, selbst wenn die Atheisten recht haben und es kein Leben nach dem Tod gibt), aber Mord ist auch Arbeit. Wir schrubbten das Schlafzimmer, bis uns der Rücken wehtat, dann machten wir mit dem Flur, dem Wohnzimmer und zuletzt der Veranda weiter. Immer wenn wir glaubten, fertig zu sein, fand einer von uns einen weiteren Blutfleck. Als im Osten der Tag heraufdämmerte, war Henry im Schlafzimmer auf allen vieren, um die Ritzen zwischen den Fußbodenbrettern zu säubern, und ich war im Wohnzimmer auf den Knien dabei, Arlettes Häkelteppich Quadrat für Quadrat nach dem einen Tropfen Blut abzusuchen, der uns verraten konnte. Der Teppich war sauber - in diesem Punkt hatten wir Glück gehabt -, aber neben ihm entdeckte ich einen fingernagelgroßen Blutfleck. Ich wischte ihn weg und

»Ich kann heute nicht in die Schule gehen, Papa. Ich bin zu müde. Und … ich glaube, dass die Leute es auf meinem Gesicht sehen würden. Vor allem Shannon.«



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