
Die Schule hatte ich völlig vergessen, was ein weiterer Beweis für halbgare Planung war. Für bescheuerte Planung. Ich hätte die Tat bis zu den Sommerferien der County School verschieben sollen. Das hätte lediglich bedeutet, eine Woche länger zu warten. »Du kannst bis Montag zu Hause bleiben; dann erzählst du der Lehrerin, dass du die Grippe hattest und nicht die ganze Klasse anstecken wolltest.«
»Ich hab zwar keine Grippe, aber ich bin wirklich krank.«
Das war ich auch.
Wir hatten ein sauberes Laken aus ihrem Wäscheschrank (so viele Dinge in diesem Haus gehörten ihr … aber das war einmal) ausgebreitet und das blutige Bettzeug darauf gestapelt. Auch die Matratze war natürlich blutig und musste weg. Im Schuppen gab es noch eine andere, nicht so gute. Ich machte ein Bündel aus der Bettwäsche, und Henry trug die Matratze. Wir gingen wieder zum Brunnen hinaus, kurz bevor die Sonne über dem Horizont erschien. Der Himmel über uns war wolkenlos. Für den Mais würde es ein guter Tag werden.
»Ich kann da nicht reinsehen, Papa.«
»Das brauchst du auch nicht«, sagte ich und stemmte den Holzdeckel wieder hoch. Ich überlegte mir, dass ich ihn gleich hätte offen lassen sollen - Vorausdenken spart Arbeit, hatte mein Papa immer gesagt -, und wusste gleichzeitig, dass ich das nie gekonnt hätte. Nicht nach dem letzten schwachen Zucken, das ich gespürt (oder mir eingebildet) hatte.
Jetzt konnte ich den Boden sehen, und was ich sah, war furchtbar. Sie war mit zerschmetterten Beinen unten aufgekommen und saß aufrecht kauernd da. Der Kissenbezug war aufgeplatzt und lag auf ihrem Schoß. Der Quilt und die Tagesdecke waren aufgegangen und nun wie ein raffinierter Überwurf um ihre Schultern drapiert. Der weiterhin an ihrem Kopf hängende Rupfensack, der ihr Haar wie ein Netz zusammenhielt, vervollständigte das Bild: Sie sah beinahe so aus, als hätte sie sich zum abendlichen Ausgehen in die Stadt feingemacht.
