
Für Lucas Martino bedeutete dieser Schulraum sehr viel. Sein Lehrer gab in diesem, seinem Laboratorium für ihn Physikunterricht. Dieser Ort befand sich genau an der richtigen Stelle, wie überhaupt alles in seinem Universum an der richtigen Stelle war oder sich ihr näherte. So kam es, daß er, wenn er morgens den Raum betrat sich erst einmal prüfend umsah, ehe er sich setzte. Und das tat er mit einem eigenartigen Ausdruck von Besitzergreifung. Die Folge war, daß Starke ihn sich als eifrigen Schüler merkte.
Lucas Martino hatte diese Entwicklung in seinem Lehrer beobachtet. Er urteilte nicht über sie, er merkte sie sich nur, er legte sie gewissermaßen in seinem Bewußtsein auf Lager, ähnlich einem Maschinenteil, den er gefunden hatte und von dem er wußte, daß er ihn eines Tages in ein Ganzes einpassen würde. Da er keine Urteile fällte, war nichts nebensächlich für ihn. Alles, daß ihm einmal begegnet war, hatte er irgendwo in seinem Kopf verstaut. Er hatte kein photographisches Gedächtnis — statische Bilder der Vergangenheit interessierten ihn nicht. Alles war in Bewegung und wartete darauf, zusammengesetzt zu werden.
Er war ein ruhiger Schüler, der nur dann antwortete, wenn er gefragt wurde. Er hatte die Gewohnheit, die Dinge selbst zusammenzufügen. Fragen stellte er nur selten an Starke.
Das Resultat war, daß seine Zensuren bald ausgezeichnet bald ungenügend waren. Wie in allen höheren Schulen der Weit sollte auch Starke in seiner Klasse nur die Grundprinzipien der Physik lehren. Und das zum größten Teil nur theoretisch. Die Schüler hatten vorläufig nur Grundformeln auswendig zu lernen, sie sollten noch nicht selbständig irgend etwas aufbauen. Lucas Martino verkannte diese Tatsache. Ja, wenn er um sie gewußt hätte, wäre ihm sogar unwohl gewesen. Stattdessen glaubte er, daß Starke ständig Andeutungen machte, die er auszufüllen und zu einem Ganzen zusammenzufügen hatte.
