Manchmal geschah es, daß er die Richtung einer Lektion kannte, bevor der erste Satz ausgesprochen war. Oder er wußte das Ergebnis eines Versuches, noch ehe Starke das Versuchsgerät fertig aufgebaut hatte. Alle seine aufbewahrten Ideen, Andeutungen und unzusammenhängenden Daten fielen dann an ihren Platz, und er verspürte so etwas wie Genialität.

Aber es geschah auch, daß es nur so aussah, als paßten die Dinge, wobei sie in Wirklichkeit auseinanderstrebten. Lucas Martino folgte trotzdem diesem falschen Hasen und machte Fehler, die niemand anders hätte machen können.

Wenn er dann das Ende der Sackgasse erkannte, arbeitete er sich Stück für Stück an der Kette der irreführenden Fakten zurück. Nachdem er aber wieder auf dem richtigen Weg war, fiel es ihm schwer, die zwar falsche, aber immerhin beschrittene Straße völlig aus seinem Bewußtsein zu streichen. Schließlich waren es nicht nur wilde, sondern bis zu einem gewissen Grade auch zusammenhängende Theorien. Martino schuf also ein zweites Lagerhaus in seinem Gedächtnis; hier stellte er alle ketzerischen Phantome dieser Art ab.

Starke war schon seit vielen Jahren im Kollegium der Schule. Er hatte viele Schmeichler und noch mehr ausdruckslose Durchschnittstypen in seinen Klassen gehabt Er hatte es schon lange aufgegeben, sie zu bessern, und noch länger war es her, daß er sich mit ihnen in eine Diskussion eingelassen hatte.

Lucas Martino dagegen faszinierte ihn, und er hatte den Wunsch, eine Brücke zu dem Jungen zu schlagen. Mehrere Wochen mußte er warten, bis sich eine Gelegenheit bot. Als sie da war, fand er es schwer, sich selbst zu überwinden. Er war umständlich und kein guter Gesellschafter.

Lucas arbeitete noch an seinem Berichtsheft. Starke wartete, bis alle anderen die Klasse verlassen hatten, dann ging er zu dem Platz des Jungen.



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