
»Martino —«
Lucas sah auf. Er war überrascht, aber nicht erschrocken, »Ja, Herr Starke?«
»Eh — Sie sind nicht Mitglied des Physik-Klubs, nicht wahr?«
»Nein, Herr Starke.«
»Ich beabsichtige, den Physik-Klub einige Experimente durchführen zu lassen. Außerhalb der Klasse natürlich. Er könnte diese Experimente sogar vor der Öffentlichkeit der Schulversammlung durchführen. Ich kann mir vorstellen, daß fast alle Schüler daran interessiert sind.« Starke hatte alles augenblicklich erfunden und war über sich selbst überrascht »Und ich habe mir gedacht, daß Sie vielleicht mitmachen würden.«
Lucas schüttelte den Kopf. »Es tut mir leid, Herr Starke. Ich habe nur sehr wenig Zeit neben Fußballtraining und Nachtarbeit.«
Normalerweise hätte Starke es dabei bewenden lassen. Jetzt sagte er: »Unsinn, Martino. Frank Del Bello ist sowohl in der Fußballmannschaft als auch im Physik-Klub.«
Lucas hatte das Gefühl, als habe Starke einen wunden Zahnnerv freigelegt. Bis jetzt hatte er keine Gründe gehabt, aus denen er die Physikstunde für wichtiger als irgendein anderes Fach hätte halten sollen. Aber seine Antwort kam scharf und schnell: »Ich fürchte, Herr Starke, ich interessiere mich nicht für volkstümliche, wissenschaftliche Spielerei.« Er wollte Starke jede Möglichkeit nehmen, Oberwasser zu gewinnen. Er fuhr fort: »Ich glaube nicht, daß man den Vorgang der Kernspaltung dadurch demonstrieren kann, indem man einen Korken in einen Haufen von Mausefallen wirft. Das hat mit Physik nichts gemeinsam.«
Das war ein kritischer Punkt für beide. Starke war nicht gewöhnt, daß man ihn abbremste, wenn er einmal anfing, etwas zu beginnen. Lucas auf der anderen Seite sah nur Tatsachen, und Tatsachen ließen sich nicht umgehen. Beide fühlten, daß sie einen neutralen Weg finden mußten, sollte nicht ein tiefes Mißverständnis zwischen ihnen entstehen.
»Was glauben Sie denn, Martino, ist Physik?«
