
Lucas nahm den Ausweg und nahm ihn dankbar an. Er fand jedoch, daß er weiterführte, als er erwartet hatte. »Ich halte sie für das Wichtigste in der Welt«, sagte er und hatte dabei das Gefühl, auf eine Hausschwelle hinausgestolpert zu sein.
»Glauben Sie? Warum?« Starke warf die Tür hinter ihm zu.
Lucas suchte nach Worten. »Das Universum ist ein idealer Aufbau. Alles ist im Gleichgewicht. Nichts kann weggenommen und nichts hinzugefügt werden.«
»Und was wollen Sie damit sagen?«
Lucas Martino umriß spontan ein Weltbild, von dem er nicht wußte, daß es das Fragment einer Philosophie war. Zum ersten Male seit er diese Klasse mit einem leeren Notizblock betreten hatte, wußte er, was er hier sollte. Ja, er wußte plötzlich noch mehr; er erkannte sich selbst.
Jetzt war er frei, ich etwas anderem zuzuwenden.
»Nun, Martino?«
Lucas holte tief Atem. Dann sagte er fließend: »Das Universum besteht aus idealen, passenden Einzelteilen. Nimmt man eines und stellt es an eine andere Stelle, so beeinflußt man alle anderen. Fügt man irgendwo eines hinzu, so muß man es an anderer Stelle wegnehmen. Alles, was wir tun — und was jemals getan worden ist — ist ein solches Umstellen von Einzelteilen. Wenn wir wüßten, wo alles hinpaßt und welchen Einfluß es auf den Rest hat, so könnten wir den Lauf der Dinge im voraus bestimmen. Genau das aber macht die Physik; sie untersucht den Aufbau des Universums und gibt uns damit ein System in die Hand, das uns erlaubt, dasselbe zu handhaben. Etwas Grundsätzlicheres gibt es nicht. Alles hängt davon ab.«
»Das ist für Sie ein Glaubensbekenntnis, nicht wahr?«
»Ja! Aber mit Glaube hat das nichts zu tun.« Seine Antwort kam schnell und präzise. Er verstand jedoch nicht so recht, was Starke meinte, er war zu sehr mit dem Gedanken angefüllt, daß er nun wußte, wozu er da war.
Starke war oft gut vorbereiteten Reden begegnet. Jedes Jahr wurde ihm mindestens eine von einem Jungen vorexerziert, der gerade einen Film über den jungen Tom Edison gesehen hatte. Er wußte, daß Martino nicht von der Sorte war; aber man hatte ihn schon vorher zum Narren gehalten. Er nahm sich also Zeit, bevor er etwas sagte.
