In Virginia geboren und aufgewachsen, kannte R. J. die Bedeutung von Abstammungen und war bis zu einem gewissen Grad der Meinung, daß die Zeugung von Menschen sich keinesfalls von der Pferdezucht unterschied. Man paare die Besten mit den Besten und hoffe das Beste. Aber Geld spielte eine viel größere Rolle, als die alteingesessenen Familien Virginias wahrhaben wollten.

Eins mußte man den Yankees lassen, sie waren vollkommen aufrichtig in ihrem Streben nach Wohlstand. Und diesen Mangel an Zurückhaltung konnte ihnen natürlich kein Virginier verzeihen.

«O ja, ich wünsche dir Glück, ein reiches, erfülltes Leben. Und Mignon auch. Eine gute Heirat ist ein Schritt in die richtige Richtung.«

«Du hast einen solchen Schritt nicht getan«, hielt Vic ihrer Mutter unverblümt vor.

«Nein. Ich habe aus Liebe geheiratet, und du siehst, wohin mich das geführt hat. «Sie lächelte verhalten.»Und ich liebe deinen Vater immer noch. Er spielt. Oh, er tut's an der Börse, das macht es irgendwie annehmbar, aber ich sehe da keinen Unterschied zu den Jungs draußen in Goswells, die auf Hähne wetten. Hahnenkämpfe versprechen wenigstens mehr Spannung als kleine graue Zahlen.«

«Ich hab etwas Geld auf die Seite gelegt. Ich könnte Mignon was zum Anziehen kaufen.«

«Vic, du bist ein Schatz, aber tu das nicht. Sie muß erst mal den Babyspeck loswerden. Es macht mir nichts aus, wenn ich sie in Großmama Catletts alte Hauskleider stecken muß, bis sie die Pfunde los ist. Das sollte ihr ein Ansporn sein. In der Zwischenzeit verplempere ich die spärlichen Mittel, die ich zur Verfügung habe, für Zigaretten und Rosen. Mein Garten hat noch nie so prächtig ausgesehen wie dieses Jahr.«

Ihr Gespräch wurde von Schritten auf der Treppe unterbrochen.

Vic stand auf und öffnete die Tür, noch bevor der Gast Zeit hatte anzuklopfen.»Komm rein.«



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