Unten auf der Straße war immer noch nichts von ihnen zu sehen, auch nichts von dem cellospielenden Onkel, der bei uns wohnte, oder dem zu Besuch weilenden Onkel und Vetter Violine, respektive Klarinette.

Ich machte meine beiden Briefe auf; der erste teilte mir mit, daß meine Einkommenssteuererklärung überfällig sei. Ich schlitzte den zweiten Umschlag mit fröhlicher und selbstgefälliger Erwartung auf, was wieder einmal beweist, daß einem das Schicksal meist gerade dann eine

Ohrfeige versetzt, wenn man es am wenigsten erwartet. In der vertrauten, kindlichen Handschrift verkündete der Brief:

>Liebster Rob,

das wird ja nicht unbedingt eine freudige Überraschung für Dich sein, aber ich werde mich verheiraten. Mein Zukünftiger ist Sir Morton Henge, von dem Du vielleicht schon gehört hast, und er ist sehr süß und lieb, so daß Du Dir Bemerkungen ersparen kannst, wie >er ist ja alt genug, um Dein Vater zu seine, etc. Zum Verlobungsempfang bitte ich Dich wohl besser nicht. Morton weiß nichts von Dir, und Du bist so lieb, von unserer Verbindung auch bei Deinen Bekannten nichts zu erwähnen, wenn es Dir nichts ausmacht. Ich werde Dich nie vergessen, liebster Rob, und immer an die schöne Zeit denken, die wir miteinander verbracht haben. Vielen Dank für alles und lebwohl.

Deine Paulina.<

Sir Morton Henge, Witwer in fortgeschrittenem Alter und Konservenfabrikant. Ich fragte mich ironisch, wie sein recht ernsthafter Sohn auf ein zwanzigjähriges Mannequin als Stiefmutter reagieren würde. Aber meine Fähigkeit, über Paulinas Fang sozusagen mit ein wenig verzerrtem Gesicht lachen zu können, milderte den Schock keineswegs.



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