In den achtzehn Monaten, seit ich sie kennengelernt hatte, war sie von mattbrünetter Bedeutungslosigkeit zu blonder Berühmtheit aufgestiegen und war jetzt mindestens jede Woche einmal auf der Titelseite einer großen Illustrierten zu sehen. In den letzten vier Wochen hatten ihre strahlenden Augen mich und acht Millionen andere Männer von einem Reklameplakat in jedem U-Bahnhof Londons angestarrt. Mir war von Anfang an klar gewesen, daß sie sich eines Tages entschließen würde, mich aufzugeben, sobald sie zu erreichen vermochte, was ihr als Ziel vorschwebte, und unser ganzes Verhältnis war auf dieser Annahme aufgebaut gewesen, aber ganz plötzlich schien mir eine Zukunft ohne ihre unbekümmerte Albernheit und vorbehaltlose Hingabe doch trüber, als ich mir vorgestellt hatte.

Ich ging in mein Schlafzimmer, legte Paulinas Brief auf die Kommode und sah plötzlich mein Gesicht in dem ovalen Wandspiegel auftauchen. Das ist das Gesicht, dachte ich, das sie so gerne neben sich gehabt hat, aber gegen Titel und Vermögen kommt es natürlich nicht auf. Objektiv mein Spiegelbild betrachtend, studierte ich das schwarze Haar, die schwarzen Brauen und Wimpern, die braunen Augen. kein markantes Gesicht, keines, das man gutaussehend nennen konnte; vielleicht ein bißchen zu schmal. Nicht schlecht, nicht gut. Einfach ein Gesicht.

Ich wandte mich ab und schaute mich in dem kleinen Mansardenzimmer um, das als Speicher gedient hatte, bevor es für mich umgebaut worden war, als ich von meinen Reisen zurückkam. Es enthielt sehr wenig — ein Bett, die Kommode, einen Lehnstuhl und einen Nachttisch mit einer Lampe. An der Wand, meinem Bett gegenüber, hing ein einziges Bild, eine impressionistische Skizze von Rennpferden. Es gab keinen anderen Zimmerschmuck, wenige Bücher, keine Unordnung. In sechsjähriger Wanderschaft rund um die Welt hatte ich mich so daran gewöhnt, mit einem Minimum an Besitz auszukommen, daß sich nichts angesammelt hatte, womit das Zimmer auszustatten gewesen wäre, obwohl ich jetzt schon mit Unterbrechungen zwei Jahre hier wohnte.



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