
Einen Wandschrank für meine Sachen gab es noch. Ich machte die Tür auf und versuchte mir den Inhalt so anzusehen, wie ihn Paulina betrachtet haben mußte, die beiden
Male, als sie hier gewesen war. Ein guter dunkelgrauer Anzug, eine Smokingjacke mit schwarzer Hose, ein Sportsakko, zwei graue Hosen und eine Reithose. Ich zog meinen Anzug aus und hängte ihn hinter die bescheidene Garderobe, eine braune Tweed-Kombination. Mir genügten diese paar Sachen. Ich war für alle Gelegenheiten gerüstet. Sir Morton Henge zählte seine Anzüge sicher nach Dutzenden und ließ sie von einem Diener pflegen. Ich hob die Schultern. Bei dieser melancholischen Bestandsaufnahme kam nichts heraus. Paulina war fort und aus. Ich nahm die schwarzen Slipper aus dem Schrank, machte die Tür zu und zog Blue jeans und ein altes kariertes Hemd an. Dann dachte ich an die zeitliche Wüstenei zwischen jetzt und den Rennen am nächsten Tag. Das Dumme bei mir war, daß sich der Hindernisrennsport zu einer Art Rauschgiftsucht entwickelt hatte, so daß alle normalen Vergnügungen, sogar Paulina, lediglich dazu gedient hatten, mir die Stunden zu vertreiben, die ich fern von den Rennplätzen verbringen mußte.
Mein Magen krampfte sich ein wenig zusammen, was ich gerne auf romantische Betrübnis angesichts der neuesten Enttäuschung zurückgeführt hätte, aber leider wußte ich sehr genau, daß es nur die Folge dreiundzwanzigstün-digen Fastens war. Ich gestand mir wehmütig ein, daß das bedauerliche Ende meiner Verbindung mit Paulina zumindest meinen Appetit nicht angegriffen hatte, und machte mich auf den Weg zur Küche. Bevor ich sie jedoch erreichte, wurde die Wohnungstür aufgerissen, und herein marschierten Eltern, Onkel und Vetter.
«Hallo, Liebling«, sagte meine Mutter und hielt mir eine glatte, wohlriechende Wange zum Kuß hin. Das war ihre übliche Begrüßung für jedermann, von Impresarios bis zu Chorsängern, und sie entbehrte auch mir gegenüber jeglicher Mütterlichkeit. Sie war überhaupt kein mütterliches
