»Du bist zu lange auf.«

»Nein, Mom .«

»Du solltest deine Hausaufgaben machen.«

»Die hab ich fertig.«

»Und wieso bist du dann noch nicht im Bett?«

»Weil .«

»Ich möchte nicht, dass du noch bis spätnachts mit deinen Freundinnen chattest.«

»Mom ...«, sagte sie in gequältem Ton.

»Du siehst sie jeden Tag in der Schule, das dürfte wohl reichen.«

»Mom .«

»Du brauchst deinen Vater gar nicht so anzugucken. Wir wissen ja, dass er dir alles erlaubt. Jetzt rede ich mit dir.«

Sie seufzte. »Ich weiß, Mom.«

Diese Art der Interaktion zwischen Nicole und Julia wurde immer mehr zur Gewohnheit. Wahrscheinlich war das bei Kindern in dem Alter normal, aber ich hielt es für besser, mich einzuschalten. Julia war müde, und wenn sie müde war, wurde sie streng und allzu autoritär. Ich legte meinen Arm um ihre Schultern und sagte: »Es ist schon spät. Möchtest du eine Tasse Tee?«

»Jack, misch dich nicht ein.«

»Tu ich ja gar nicht, ich wollte bloß .«

»Doch, das tust du. Ich rede mit Nicole, und du mischst dich ein, wie immer.«

»Schatz, wir haben vereinbart, dass sie bis zehn aufbleiben darf, ich weiß nicht, was das .«

»Aber wenn sie mit den Hausaufgaben fertig ist, sollte sie ins Bett gehen.«

»So war das nicht abgemacht.«

»Ich will nicht, dass sie von morgens bis abends am Computer sitzt.«

»Das tut sie auch nicht, Julia.«

In diesem Moment brach Nicole in Tränen aus und sprang schluchzend auf: »Dauernd kritisierst du an mir rum! Ich hasse dich!« Sie lief ins Badezimmer und knallte die Tür zu. Davon wurde das Baby wach und fing an zu schreien.

Julia wandte sich mir zu und sagte: »Würdest du mich das in Zukunft bitte alleine regeln lassen, Jack.«

Und ich sagte: »Du hast Recht. Es tut mir Leid. Du hast Recht.«

In Wahrheit sah ich das keineswegs so. Mehr und mehr betrachtete ich das Haus als mein Haus, die Kinder als meine Kinder. Sie platzte spätabends in mein Haus, nachdem ich dafür gesorgt hatte, dass alles ruhig war, so wie ich es mochte, wie es sein sollte. Und sie machte ein Heidentheater.



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