
Auch ihre Kleidung war anders. Julia trug einen dunklen Rock und eine weiße Bluse, sozusagen das Standardoutfit für Managerinnen. Aber der Rock war enger als gewöhnlich. Und durch ihren wippenden Fuß wurde ich auf die Slingpumps aufmerksam. Früher hatte sie die mal als Aufreißschuhe bezeichnet. Schuhe, die sie nie zur Arbeit anziehen würde.
Und dann begriff ich, dass alles an ihr anders war - ihr Verhalten, ihr Aussehen, ihre Stimmung, alles -, und blitzartig wurde mir klar, warum: Meine Frau hatte eine Affäre.
Das Wasser im Topf fing an zu dampfen, und ich zog das Fläschchen heraus, testete die Temperatur an meinem Unterarm. Es war zu heiß geworden, und ich musste es einen Moment abkühlen lassen. Das Baby begann zu schreien, und ich schaukelte es sachte an meiner Schulter, während ich mit ihm durch den Raum ging.
Julia blickte mich kein einziges Mal an. Sie wippte bloß weiter mit dem Fuß und starrte ins Leere.
Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass das ein Syndrom war. Der Mann ist arbeitslos, seine maskuline Attraktivität schwindet, seine Frau hat keinen Respekt mehr vor ihm, sie nimmt sich einen Liebhaber. Ich hatte das in Glamour oder Redbook oder einer der anderen Zeitschriften gelesen, die wir zu Hause haben, während ich darauf wartete, dass die Wäsche fertig wurde oder die Mikrowelle den Hamburger aufgetaut hatte.
Aber jetzt durchfluteten mich widerstreitende Gefühle. War es wirklich wahr? Oder war ich bloß müde und fantasierte mir schlechte Geschichten zusammen? Was spielte es für eine Rolle, dass sie engere Röcke und andere Schuhe trug? Die Mode änderte sich.
