»Tut mir leid«, sagte Andrew. »Aber das ist unwahrscheinlich.«

»Ich bleibe trotzdem bei ihr.«

»Selbstverständlich. Die Schwestern werden sich bereit halten, und ich gebe auch dem Stationsarzt Bescheid.«

»Vielen Dank, Doktor.«

Dank wofür? dachte Andrew, als er das Zimmer verließ. Er brauchte dringend eine Tasse Kaffee.

Der Aufenthaltsraum der Ärzte war ein viereckiger Kasten, der nur wenige Sitzgelegenheiten, einen Ständer für Post, einen Fernseher, einen kleinen Schreibtisch und Schließfächer für die diensthabenden Ärzte enthielt. Aber wenigstens war man hier ungestört, und es gab immer Kaffee. Als Andrew eintrat, war außer ihm niemand da.

Er goß sich einen Kaffee ein und ließ sich in einen alten zerschlissenen Sessel fallen. Eigentlich bestand keine Notwendigkeit, noch länger im Krankenhaus zu bleiben, aber instinktiv zögerte er die Rückkehr in sein Junggesellenapartment hinaus, das Noah Townsends Frau Hilda für ihn gefunden hatte und das behaglich, aber manchmal ein bißchen einsam war.

Der Kaffee war heiß. Während Andrew ihn abkühlen ließ, starrte er auf die Ausgabe des Newark Star-Ledger. Auf der Titelseite fiel ihm ein Bericht über einen gewissen »Sputnik« ins Auge: ein Erdsatellit - was immer das sein mochte -, den die Russen kürzlich mit bombastischen Sprüchen wie »Aufbruch in ein neues Zeitalter des Weltraums« gestartet hatten. Während man von Präsident Eisenhower, wie es in dem Bericht hieß, erwartete, daß er das Raumfahrtprogramm der USA beschleunigte, fühlten sich die amerikanischen Wissenschaftler durch die technologische Führung der Russen »schockiert und gedemütigt«. Andrew hoffte, daß sich dieser Schock ebenfalls auf die medizinische Forschung auswirken würde. Auch wenn in den zwölf Jahren seit Ende des Zweiten Weltkriegs Fortschritte gemacht worden waren, gab es doch immer noch viele deprimierende Lük-ken und unbeantwortete Fragen. Er legte die Zeitung beiseite und nahm ein Exemplar der Medical Economics in die Hand, eine Zeitschrift, die ihn amüsierte und faszinierte. Angeblich wurde sie von vielen Ärzten gelesen, die ihr mehr Aufmerksamkeit schenkten als dem angesehenen New EnglandJournalofMedicine oder anderen wissenschaftlichen Publikationen.



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