
Die Vertreterin - ihm fiel wieder auf, wie jung sie war, wahrscheinlich nicht älter als vierundzwanzig - warf den Regenmantel über einen Stuhl. Sie sprach langsam und bedächtig.
»Ammoniak, Doktor. Gestern haben Sie mir von einer Patientin mit Hepatitis erzählt, die an einer Ammoniakvergiftung zu sterben droht. Sie sagten, Sie wünschten . . .«
»Ich weiß, was ich gesagt habe.«
Die Vertreterin sah ihn mit ihren klaren graugrünen Augen abschätzend an. Sie war nicht gerade das, was man hübsch nennen konnte, dachte er, obwohl sie ein sympathisches Gesicht mit breiten Backenknochen hatte. Wenn ihre Haare trocken und gekämmt waren, sah sie wahrscheinlich wesentlich besser aus. Und ohne Regenmantel hatte sie gar keine schlechte Figur.
»Das wissen Sie zweifellos, Doktor, und vermutlich ist Ihr Gedächtnis auch viel besser als Ihre Manieren.« Als er etwas erwidern wollte, hielt sie ihn mit einer ungeduldigen Handbewegung davon ab. »Was ich Ihnen gestern nicht gesagt habe - nicht sagen konnte -, ist, daß meine Firma, Felding-Roth, seit vier Jahren an einem Mittel arbeitet, das die Ammoniakproduktion durch Darmbakterien reduziert, ein Mittel, das sich in einer lebensgefährlichen Situation wie der Ihrer Patientin als nützlich erweisen könnte. Ich wußte davon, wußte aber nicht, wie weit die Forschungen gediehen sind.«
»Es freut mich zu hören, daß es wenigstens jemand probiert«, sagte Andrew, »aber ich verstehe noch immer nicht . . .«
»Das werden Sie, wenn Sie mir zuhören.« Die Frau strich sich ein paar nasse Haarsträhnen aus dem Gesicht. »Das Medikament, das wir entwickelt haben - es heißt Lotromycin -, ist schon an Tieren erfolgreich angewendet worden. Jetzt stehen Tests an Menschen bevor. Ich habe mir etwas von dem Lotromycin besorgt und es mitgebracht.«
Andrew erhob sich aus dem Sessel. »Verstehe ich Sie recht, Miss . . .« Er konnte sich nicht an ihren Namen erinnern und fühlte sich zum ersten Mal etwas unbehaglich.
