
»Ich habe nicht erwartet, daß Sie sich an meinen Namen erin-nern.« Wieder diese Ungeduld. »Ich heiße Celia de Grey.«
»Wollen Sie etwa vorschlagen, Miß de Grey, daß ich meiner Patientin ein unbekanntes Mittel verabreiche, das sich noch im Experimentierstadium befindet und bis jetzt nur an Tieren erprobt worden ist?«
»Bei jedem Mittel muß es einen Menschen geben, an dem es zum ersten Mal getestet wird.«
»Wenn es Ihnen nichts ausmacht«, sagte Andrew, »ziehe ich es vor, mich nicht als Pionier zu betätigen.«
Die Besucherin zog die Augenbrauen hoch, ihre Stimme hatte jetzt einen schärferen Klang. »Nicht einmal, wenn Ihre Patientin im Sterben liegt und es nichts anderes gibt? Wie geht es ihr denn, Doktor?«
»Ihr Zustand hat sich verschlechtert.« Er zögerte. »Sie liegt im Koma.«
»Dann wird sie also sterben?«
»Hören Sie«, sagte Andrew, »ich weiß, daß Sie es gut meinen, Miß de Grey, und mein gestriges Benehmen tut mir leid. Aber jetzt ist es zu spät. Zu spät, um mit neuen Medikamenten herum-zuexperimentieren. Selbst wenn ich es wollte - haben Sie eine Ahnung, welche Formalitäten nötig wären?«
»Ja«, sagte die Frau; ihre glänzenden Augen ließen Andrew nicht los, und er merkte, wie ihm diese Mädchen-Frau mit ihrer direkten, lebendigen Art zu gefallen begann. »Ja, ich weiß genau, was erforderlich ist. Tatsächlich habe ich seit gestern kaum etwas anderes getan, als das festzustellen - und außerdem mußte ich dem stellvertretenden Leiter unserer Forschungsabteilung erst kräftig den Arm verdrehen, um ihn dazu zu bringen, mir etwas von dem Lotromycin zu überlassen. Es gibt bis jetzt nur sehr wenig davon. Aber ich habe es vor drei Stunden in unseren Labors in Camden gekriegt und bin gleich hergekommen - trotz des lausigen Wetters.«
»Ich bin Ihnen sehr dankbar«, begann Andrew, aber die Besucherin schüttelte ungeduldig den Kopf.
