Andrew brachte ihn mit einem Blick zum Schweigen. Der Te-xaner befand sich seit einem Jahr in der Ausbildung und galt als fähig, sein Feingefühl war allerdings mangelhaft entwickelt.

Die Schwester hatte die Injektion beendet und prüfte Puls und Blutdruck der Patientin. »Keine Reaktion, Doktor. Keinerlei Veränderung«, erklärte sie.

Andrew nickte und war für einen Augenblick erleichtert. Er hatte keine positive Wirkung erwartet, eher eine Gegenreaktion befürchtet, noch dazu bei einem Mittel, das sich erst im Erprobungsstadium befand. Er bezweifelte noch immer, daß Mary Rowe den nächsten Morgen erleben würde.

»Rufen Sie mich zu Hause an, wenn es ihr schlechter gehen sollte«, ordnete er an. Dann ging er mit einem leisen »Gute Nacht, John«, am Ehemann vorbei hinaus.

Erst als Andrew zu Hause war, fiel ihm ein, daß er ganz vergessen hatte, der Vertreterin von Felding-Roth, die im Aufenthaltsraum der Ärzte auf ihn wartete, eine Nachricht zu geben.

Diesmal erinnerte er sich an ihren Namen - de Grey. War es Cindy? Nein, Celia. Er war drauf und dran anzurufen, vermutete aber, daß sie inzwischen erfahren hatte, was geschehen war. Er würde morgen mit ihr reden.

2

Normalerweise begann Andrew am Samstagvormittag um zehn Uhr mit der Sprechstunde in seiner Praxis und fuhr gegen Mittag kurz ins Krankenhaus. Heute machte er es umgekehrt und war schon um neun im St. Bede's Hospital.

Auf Sturm und Regen der vergangenen Nacht war ein frischer, klarer Morgen gefolgt, kalt, aber sonnig.

Als Andrew die Treppe zum Krankenhaus hinaufging, wurde die Eingangstür aufgerissen, und Dr. Overton stürzte heraus. Er wirkte erregt. Seine Haare sahen aus, als wäre er in aller Eile aus dem Bett gesprungen und hätte vergessen, sich zu kämmen. Er packte Andrew am Arm.

»Hab' versucht, Sie anzurufen«, stieß er atemlos hervor. »Aber Sie waren schon weg. Der Hausmeister sagte mir, daß Sie kämen.



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