
»Ich werde Sie sofort ins Krankenhaus einweisen«, sagte Andrew. »Wir müssen noch eine Blutprobe machen. Aber ich bin so sicher, wie man nur sein kann, daß es sich um infektiöse Hepatitis handelt.«
Er erklärte ihr, daß sie in Mexico höchstwahrscheinlich Nahrung oder Wasser zu sich genommen habe, die verseucht gewesen sei. Das käme in Ländern mit unzureichenden sanitären Einrichtungen häufig vor.
Die Behandlung würde vor allem aus »unterstützenden« Maßnahmen bestehen, ihrem Körper würde intravenös Nahrung zugeführt werden. Fünfundneunzig Prozent aller Erkrankten, hatte Andrew hinzugefügt, würden völlig wiederhergestellt. Das dauere in der Regel drei bis vier Monate, aber Mary werde bestimmt schon in ein paar Tagen soweit sein, daß sie das Krankenhaus verlassen und nach Hause gehen könne.
Mit einem schwachen Lächeln hatte Mary gefragt: »Und die restlichen fünf Prozent?«
Andrew hatte gelacht und gesagt: »Die können Sie vergessen! Eine Statistik, in der Sie nicht vorkommen werden.«
Doch darin hatte er sich getäuscht.
Mary Rowes Zustand hatte sich nicht gebessert, sondern verschlechtert. Das Bilirubin in ihrem Blut stieg immer mehr an und deutete auf eine sich noch verstärkende Gelbsucht hin, obwohl die gelbliche Färbung ihrer Haut schon jetzt besorgniserregend war. Am Mittwoch zeigten die Proben - und das war weitaus gefährlicher - einen bedrohlich gestiegenen Ammoniakspiegel im Blut an. Das Ammoniak stammte aus dem Darm und wurde von der geschädigten Leber nicht mehr verarbeitet.
Seit dem Vortag hatte sich auch ihr Allgemeinzustand wesentlich verschlechtert. Sie war verwirrt, wußte nicht, wo sie sich be-fand, und erkannte weder Andrew noch ihren Mann. Zu diesem Zeitpunkt hatte Andrew Rowe darüber informiert, daß seine Frau ernstlich krank sei.
Den ganzen Donnerstag über war Andrew niedergeschlagen, weil er nichts für Mary tun konnte, und sobald ein Patient seine Praxis verließ, dachte er angestrengt, aber erfolglos über eine Lösung nach. Er wußte, daß die Zunahme von Ammoniak im Blut eine Besserung in ihrem Befinden verhinderte. Doch ihm war ebenfalls klar, daß es beim gegenwärtigen Stand der Medizin kein wirksames Gegenmittel gab.
