
Schließlich hatte er - unfairerweise, wie er sich eingestand -seine Frustration an dieser verdammten Pharma-Vertreterin ausgelassen, die ihn am späten Nachmittag in seiner Praxis aufsuchte. Er konnte sich nicht mal mehr an ihren Namen oder daran erinnern, wie sie aussah, außer daß sie eine Brille trug und jung war, fast noch ein Mädchen, und vermutlich ohne jede Erfahrung.
Sie kam von der Firma Felding-Roth Pharmaceuticals, und später fragte Andrew sich, warum er überhaupt eingewilligt hatte, sie zu empfangen, als ihn die Sprechstundenhilfe über den Besuch informierte. Vielleicht hatte er es getan, weil er etwas Neues zu erfahren hoffte, doch seine Gedanken schweiften ab, während sie von den neuesten Antibiotika sprach, die ihre Firma gerade auf den Markt gebracht hatte. »Sie hören mir ja gar nicht zu«, hatte sie schließlich gesagt, und das hatte ihn in Wut versetzt.
»Vielleicht liegt es daran, daß ich an etwas Wichtigeres zu denken habe und Sie mir nur meine Zeit stehlen.«
Normalerweise hätte er sich nicht so benommen, aber zu den Sorgen, die er sich um Mary Rowe machte, kam seine langgehegte Abneigung gegen die pharmazeutische Industrie und ihre massiven Verkaufspraktiken. Sicherlich gab es ein paar gute Mittel, die von den großen Firmen hergestellt wurden, aber ihre billigen Reklametricks und die Art und Weise, wie sie die Ärzte vereinnahmten, empfand er als abstoßend. Schon während seines Medizinstudiums war er damit konfrontiert worden. Die Studenten - künftige Rezeptschreiber, wie die Firmen sehr wohl wußten - waren von den Vertretern der Arzneimittelfirmen aufgesucht, umworben und hofiert worden. Unter anderem hatten die Pharma-Vertreter Stethoskope und Arzttaschen verteilt, die die Studenten dankbar entgegennahmen. Andrew hatte nicht zu ihnen gehört. Obwohl er wenig Geld besaß, zog er es vor, unabhängig zu bleiben und sich derlei Dinge selbst zu kaufen.
