»Julia, Julia, du kannst mich hier oben nicht einfach sitzen lassen!«

»Warum nicht? Ich kann ja in deiner Gegenwart nicht mal ei­nen Witz reißen, ohne daß er von der einzig lebenden Heiligen von Runnymede in einen frommen Spruch verwandelt wird. Oh, ich berichtige, von der einzig lebenden Heiligen im legendären Staate Maryland.«

»Und was ist mit Pennsylvania?«

»Wir leben nicht in Pennsylvania.«

»Halb Runnymede ist hinter der Grenze.«

»Du meinst wohl, hinterm Mond.« Julia verschränkte die Ar­me.

»Du weißt, was ich meine.« Verärgerung schlich sich in Loui­ses wohl modulierten Sopran.

»Pennsylvania ist so viel größer als Maryland, etwa wie eine Tarantel im Vergleich zu einem Marienkäfer. Ich bin sicher, es gibt eine Menge lebende Heilige in Pennsylvania, wahrschein­lich vor allem in Philadelphia und Pittsburgh, andererseits...«

Louise schnitt ihr das Wort ab. Sie wußte genau, wann Juts genug in Fahrt geriet, um eine ihrer Tiraden loszulassen. »Wür­dest du bitte die Leiter aufstellen?«

»Nein. Mary und Maizie kommen in zwei Stunden aus der Schule. Sollen sie es doch tun.«

Louises jüngere Tochter, nach Julia Ellen benannt, wurde Maizie gerufen, um sie von ihrer Tante zu unterscheiden.

»Hör mal, Juts, das ist gar nicht komisch. Ich sitze hier fest, und die lärmenden Kinder hören mich womöglich nicht, wenn sie nach Hause kommen. Stell die Leiter auf.«

»Was krieg ich dafür?«

»Vielleicht solltest du fragen, was du nicht dafür kriegst.« Als Louise sich der Dachkante näherte, stieben kleine Asphaltfun­ken unter ihren Absätzen auf.

»Wird wohl ziemlich heiß da oben.«

»Ein bißchen.«



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