
»Nichts ist los. Ich habe zu lange auf dem Dach gehockt. Ich habe sogar erwogen, runterzuspringen.«
»Gut, daß du's nicht getan hast. Du hättest deine Forsythien ruiniert.« Doch Juts glaubte ihr nicht. Sie wußte, daß etwas an ihrer Schwester nagte.
»Und meine Schuhe auch.«
»Hättest dir den Knöchel brechen können.«
»Oder den Hals - ich hätte zu Tode kommen können.«
»Nein.« Juts lächelte. »Nur die Guten sterben jung.«
»Du bist schrecklich.«
»Nein, ich bin Julia.«
»Du bist meine schreckliche Julia.« Louise kicherte, als sie die Tür zu Cadwalders Drugstore aufstieß.
»Ihr habt eure Mutter knapp verpaßt, Mädels«, rief Vaughn, der achtzehnjährige Sohn des Besitzers, hinter der Theke. »Sie ist vor 'ner knappen Viertelstunde mit Miss Chalfonte weggegangen.«
»Zu Fuß oder im Packard?«
»Im Packard.« Er hatte ein zusammengelegtes Handtuch über einen Arm drapiert. Vaughn beugte sich über die Marmorplatte der Theke. »Was darf s sein?«
»Ein Zitronensorbet und ein neues Leben.«
Er lachte. »Mrs. Smith, Sie machen mir Freude.«
»Das kann ich nicht gerade behaupten.« Louise warf der Hutschachtel, die sicher unter dem Barhocker verstaut war, einen wehmütigen Blick zu.
»Also gut, Zitronensorbet erst im Sommer, ich weiß. Ich möchte ein großes Schokoladenfrappe und einen heißen Tee dazu.«
»Und ich möchte ein Erdbeerfrappe mit Kaffee dazu.«
»Alles klar.« Vaughn hob die eckigen schwarzen Deckel ab und füllte Eiscreme in dicke geriffelte Gläser. »Ist das nicht ein toller Frühling?«
»Wunderbar«, stimmten beide Frauen zu.
»Kaum vorstellbar, daß Krieg herrscht.«
»Wird nicht lange dauern«, prophezeite Louise leichthin.
»Wie kommst du darauf?« Juts' Magen knurrte.
»Weil England nie einen Krieg verliert, außer gegen uns.«
