»Ich mag dich nicht«, sagte das Kind. »Du bist böse. Ich werde dich gefesselt lassen und den Priester holen.«

Sie starrte ihn anklagend an. Azzie begriff, daß es einiges an List und Klugheit erfordern würde, um sich aus dieser Lage herauszuwinden.

»Sag mir, kleines Mädchen, woher hast du diesen Strick?« fragte er.

»Den hab’ ich in den Lagerräumen der Kirche gefunden«, erwiderte sie. »Er hat zwischen ein paar Knochen auf einem Tisch gelegen.«

Die Relikte von Heiligen! Das bedeutete, daß dieser Strick ein Geistfänger war! Die besten Geistfänger wurden aus den Stricken gemacht, mit denen die Heiligen ihre Gewänder gürteten. Es würde nicht leicht sein, diesen Strick wieder loszuwerden.

»Kleines Mädchen, ich bin hier, um auf deinen Vater aufzupassen. Es geht ihm nicht so gut, wegen dem Sterben und Wiederauferstehen und all diesen Dingen. Und jetzt sei lieb und nimm den Strick weg, wie es sich für ein nettes braves Mädchen gehört.«

»Nein«, sagte das kleine Mädchen auf jene unerbittliche Art, die kleinen – und einigen großen – Mädchen zu eigen ist.

»Also, bei der ewigen Verdammnis!« stieß Azzie hervor. Er mühte sich nach Kräften, konnte seinen Fuß aber nicht aus dem Geistfänger befreien, der sich zu seinem Ärger jedes Mal noch fester zuzog, wenn er versuchte, ihn abzustreifen. »Komm schon, kleines Mädchen, Spaß ist Spaß, aber jetzt solltest du mich gehen lassen.«

»Nenn mich nicht kleines Mädchen«, sagte das kleine Mädchen. »Ich heiße Brigitte, und ich weiß alles über dich und deinesgleichen. Der Priester hat uns alles erzählt. Du bist ein böser Geist, stimmt’s?«

»Aber ganz und gar nicht«, widersprach Azzie. »Ich bin sogar ein guter Geist. Oder zumindest ein neutraler Geist. Ich bin geschickt worden, um aufzupassen, daß es deinem Vater gutgeht. Ich muß mich jetzt um ihn kümmern und dann weiterziehen, um anderen Menschen zu helfen.«



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